Ausgewählt
Natalie Bauer-Lechner (1858 - 1921)
Bratschistin, Pazifistin, Feministin, autonome Frau, Mahler-Chronistin und enge Freundin Gustav Mahlers
8. Juni 2026, 10:05
Natalie Bauer-Lechner war knapp 20 Jahre, so lange das Quartett bestand, Bratschistin im damals etablierten und erfolgreichen, rein weiblich besetzten Soldat-Roeger-Streichquartett. Doch Mahler kannte sie - einseitig - bereits vom Studium. Zwischen 1890 und 1901 entspann sich eine enge Freundschaft zu ihm und seiner Familie, die bis zum Auftauchen Alma Schindlers in Mahlers Leben hielt.
In diesem Zeitraum dokumentierte Bauer-Lechner ihre Begegnungen mit Mahler minutiös.Sie hielt seine Gedanken zu seinen Dirigaten und Kompositionen fest, musikalische Details, die sie als Musikerin gut verstand und einordnen konnte. Dass sie ihm darüber hinaus zugetan war, lässt sich zwischen den Zeilen ihrer Erinnerungen unmissverständlich herauslesen. Dass da mehr war, wusste man nicht.
Doch seit vor 15 Jahren ein Brief in Wien aufgetaucht ist, in dem Bauer-Lechner 1917 ihrem Freund Hans Riehl auf fast 60 Seiten über Mahlers frühe Liebschaften berichtet, inklusive ihrer eigenen, ist davon auszugehen, dass es auch - wenn auch einmalig - eine körperliche Komponente gegeben hat. So sie das nicht erfunden hat. Dass Natalie Bauer-Lechner Mahler mitunter auch auf die Nerven gegangen ist mit ihrer Neugier und Wissbegierde, ihrer Vereinnahmung dokumentieren Briefe Mahlers an seine Schwester Justine.
Aber es wäre zu kurz gegriffen, Natalie Bauer-Lechner nur im Zusammenhang mit Mahler zu erinnern. Die Feministin und Pazifistin veröffentlichte 1907 ein Buch mit Essays und Aphorismen, das vor allem feministische Themen konkret anspricht. Nach dem Ersten Weltkrieg erscheint ihr pazifistischer Artikel "Über den Krieg", der ihr angeblich (Belege dafür gibt es keine) eine Arreststrafe wegen Hochverrats einbrachte.
Am 8. Juni jährt sich ihr Todestag zum 105. Mal. - zu diesem Anlass eine Würdigung in Musik und Zitaten.
