ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Gedanken für den Tag
Francis Bacon, erster Philosoph der Neuzeit
Wolfgang Müller-Funk, Literaturwissenschaftler, zum 400. Todestag des Philosophen, Schriftstellers und Politikers Francis Bacon
8. April 2026, 06:57
"Leute, die sich selbst sehr liebhaben, sind ein Schaden für die Allgemeinheit (...) Teile dich daher fein klüglich zwischen Eigenliebe und Liebe zur Gesellschaft (...) Das Ich ist ein kümmerlicher Mittelpunkt seiner Handlungen." (Francis Bacon)
Francis Bacon, der erste Philosoph der Neuzeit, ist eine vielschichtige Figur. In den vielen Pausen, die ihm die Politik beschert, betätigt er sich als Autor. Mit seinen "Politischen und praktischen Ratschlägen", erstmals 1587 erschienen, ist er - neben Montaigne - Miterfinder des neuzeitlichen Essays.
Im Unterschied zu Montaigne sind seine Essays als philosophische Ratschläge konzipiert. Bacon spricht nicht über sich, sondern beschäftigt sich mit den moralischen Phänomenen im Zwischenbereich von Leben und Politik. Mit Neid, Glück und Unglück, mit Freundschaft und Geld. Der Autor steht im Dialog mit Seneca, Plutarch und Tacitus und sein Horizont ist die bürgerliche Welt und die Politik. Bacon hält Abstand vom Geläufigen, etwa, wenn er davon spricht, dass "wer Weib und Kinder besitzt", dem "Schicksal" "Geiseln" in die Hand gegeben hat. Sie sind Hindernisse im Bestreben, große, für das "Gemeinwohl verdienstvolle Werke zu schaffen". Er räumt aber zugleich ein, dass ehelose Menschen "grausamer und hartherziger" seien.
Streng geht der englische Moralist mit der Liebe ins Gericht, die als Lüge und Selbstbetrug angesehen wird: "Die Liebe verdankt der Bühne mehr als dem wirklichen Leben. (...) Allein im Leben richtet sie viel Unheil an, zuweilen wie eine Sirene zuweilen wie eine Furie." Es gebe, so meint Bacon, keinen "verehrungswürdigen Menschen", der sich bis zur "Unsinnigkeit" von ihr habe hinreißen lassen. Wir wissen nicht viel über das Privatleben des Philosophen, überliefert ist lediglich die prunkvolle Vermählung des 45-Jährigen mit seiner reichen vierzehnjährigen Braut Alice Barnham, die ihn von seiner aufreibenden Geldnot befreite.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: John Dowland
Album: Mirrors of time. Tribute Reflections
Titel: Lachrimae antiquae. Pavane für 5 Viole da gamba und Laute
Gesamttitel: Lachrimae, or seaven teares (London, 1604) (Nr. 1)
Leitung: Jordi Savall
Ausführender/Ausführende: Jordi Savall
Ausführende: Hespèrion XX
Ausführender/Ausführende: Christophe Coin
Ausführender/Ausführende: Sergi Casademunt
Ausführender/Ausführende: Lorenz Duftschmid
Ausführender/Ausführende: Paolo Pandolfo
Ausführender/Ausführende: José Miguel Moreno
Länge: 04:41 min
Label: ALIA VOX AVSA9957
EAN: 8435408099578
