Zeit-Ton
Lee Ranaldo zum 70. Geburtstag im Zeit-Ton Porträt
Von Sonic Youth zu Soundtrack-Improvisationen
19. April 2026, 20:01
Lee Ranaldo war Mitbegründer von Sonic Youth, der wohl einflussreichsten Noise-Rock-Band, und arbeitet seit den späten 1970er Jahren daran, die Klangmöglichkeiten der Gitarre zu erweitern. Seit langem tut er das auch in audiovisuellen, filmischen und installativen Zusammenhängen. Immer schon in den Schnittstellen von Musik, Film und Kunst tätig, hat er ein umfangreiches, spartenübergreifendes Werk geschaffen, das wie kaum ein anderes zwischen Avantgarde und Pop changiert. Anlässlich seines 70. Geburtstag widmet der Zeit-Ton Lee Renaldo ein Porträt.
Er sei ein Kind New Yorks, erzählt Lee Ranaldo. Im Herbst 2025 waren er und seine Frau, die Künstlerin Leah Singer, artists in residence der Kunstmeile Krems, die in Kooperation mit Tonspur Kunstverein Wien stattgefunden hatte. Auch wenn Sonic Youth sich 2011 aufgelöst haben, beantwortet Ranaldo Fragen zu diesem Quartett voller Enthusiasmus.
2004 hatte das Magazin "Rolling Stone" Ranaldo in eine Liste der "Greatest Guitarists of All Time" aufgenommen, schließlich hat sein spezieller Sound eine ganze Generation an Musikern geprägt. Es gehe nicht um Fingerfertigkeit, sondern um Präsenz und Klangschichtungen.
Im Lauf der Jahre wurden Ranaldos Schaffen vielseitiger und interdisziplinärer. Am Beginn stand der zerfahren-nervöse Sound des No Wave, als er mit Gitarristen wie Glenn Branca arbeitete. Sonic Youth wurde dann eine Art Brennglas zwischen experimenteller Rock-Musik und Avantgarde. Mit dem Quartett Text to Light improvisierte er zu Filmen von Stan Brakhage, spielte in einer Band mit Filmemacher Jim Jarmusch Blues-Musik, die auf dem Wiener Label Trost Records erschienen ist, vertonte zahlreiche Filme von Leah Singer und stellte in Installationen die pure Materialität von Gitarren aus.
2024 wurde er mit einer Ehrendoktor-Würde für Musik seiner ehemaligen Hochschule, der Binghamton University, ausgezeichnet. Im Zeit-Ton-Interview lässt Lee Ranaldo die Geschichte der New Yorker No-Wave- und Downtown-Szene Revue passieren und er erzählt über Gitarren-Stimmungen, Klangfarben, seine Begeisterung für Filme und seine Leidenschaft für das Fahrrad-Fahren mit alten Rennrädern.
