CONNY DE BEAUCLAIR
Radiokolleg
In Würde altern (2)
Der Jugend entwachsen?
21. April 2026, 09:05
"Nichts sollte erwartungsgemäßer eintreten, aber nichts kommt unvorhergesehener als das Alter." Diese Worte hat Simone de Beauvoir 1970 in einem Essay über das Alter geschrieben. Darin zeigt sie jene ambivalenten Bilder, die mit dem Alter auch heute assoziiert werden. Öffentliche Debatten drehen sich um Krankheitsvorsorge, Altersabhängigkeit und Bedeutungsverlust. Anti-Aging-Werbekampagnen und ein auf Jugendlichkeit ausgerichteter Arbeitsmarkt verstärken diesen Eindruck noch. Auch im Privaten verschieben sich Zuschreibungen. Aus Fürsorge wird Begrenzung. Aus Sorge um Sicherheit wird ein vorschnelles Abstecken von Möglichkeiten. Ein Muster, dass sich im gesellschaftlichen Umfeld wiederholt. Wer älter ist, erscheint entweder als rüstige Ausnahme oder als Pflegefall. Dazwischen liegt ein breites, wenig sichtbares Spektrum aktiven Lebens. Doch gerade die private Innenschau zeigt auch, dass das von der Umwelt wahrgenommene Alter nicht der eigenen inneren Uhr entspricht. Was also heißt gutes Altern? Es ist ein Prozess des Annehmens und des Ermöglichens. Auch den Besuch einer Disco, wie es im Wiener Club U4 mit dem "Klub 66" der Fall ist. Es braucht dieses Umdenken in der Gesellschaft, das differenziertere Bilder des Alterns und Begegnungsräume zulässt - jenseits von Jugendkult und Seniorenheim.
Gestaltung: Barbara Matzner-Volfing
