"Klub 66" im U4

CONNY DE BEAUCLAIR

Radiokolleg

In Würde altern (2)

Der Jugend entwachsen?

"Nichts sollte erwartungsgemäßer eintreten, aber nichts kommt unvorhergesehener als das Alter." Diese Worte hat Simone de Beauvoir 1970 in einem Essay über das Alter geschrieben. Darin zeigt sie jene ambivalenten Bilder, die mit dem Alter auch heute assoziiert werden. Öffentliche Debatten drehen sich um Krankheitsvorsorge, Altersabhängigkeit und Bedeutungsverlust. Anti-Aging-Werbekampagnen und ein auf Jugendlichkeit ausgerichteter Arbeitsmarkt verstärken diesen Eindruck noch. Auch im Privaten verschieben sich Zuschreibungen. Aus Fürsorge wird Begrenzung. Aus Sorge um Sicherheit wird ein vorschnelles Abstecken von Möglichkeiten. Ein Muster, dass sich im gesellschaftlichen Umfeld wiederholt. Wer älter ist, erscheint entweder als rüstige Ausnahme oder als Pflegefall. Dazwischen liegt ein breites, wenig sichtbares Spektrum aktiven Lebens. Doch gerade die private Innenschau zeigt auch, dass das von der Umwelt wahrgenommene Alter nicht der eigenen inneren Uhr entspricht. Was also heißt gutes Altern? Es ist ein Prozess des Annehmens und des Ermöglichens. Auch den Besuch einer Disco, wie es im Wiener Club U4 mit dem "Klub 66" der Fall ist. Es braucht dieses Umdenken in der Gesellschaft, das differenziertere Bilder des Alterns und Begegnungsräume zulässt - jenseits von Jugendkult und Seniorenheim.

Gestaltung: Barbara Matzner-Volfing

Service

Radiokolleg-Podcast

Literatur:
Simone de Beauvoir: Das Alter, Rowohlt Taschenbuch

Pat Thane (Hrsg.): Das Alter - eine Kulturgeschichte, Primus

Gertrud Backes, Wolfgang Clemens: Lebensphase Alter - eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Altersforschung, Beltz Juventa

Thomas Rentsch (Hrsg.): Gutes Leben im Alter - die philosophischen Grundlagen, Reclam Taschenbuch

Michael Lehofer: Alter ist eine Illusion - wie wir uns von den Grenzen im Kopf befreien, Gräfe und Unzer

Peter Scheer: Lust aufs Alter. Unkonventionelle Gedanken über das Älterwerden, Falter Verlag

Marc Augé: Zeit ohne Alter - eine Ethnologie des Ich und des Älterwerdens, Turia und Kant

Gert Dressel, Johanna Kohn, Jessica Schnelle (Hrsg.): Erzählcafés - Einblicke in Praxis und Theorie, Beltz Juventa

Marina Kojer im Gespräch mit Gert Dressel: Palliative Geriatrie ist für mich Lebenssinn geworden, Palliative Geriatrie in der Praxis, Jubiläumsband, der Hospiz Verlag

Egon Biechl: Der Chamäleon, Mails & More

Links:
Achtsamer 8.
Erzählcafé - Zuhören und Erzählen in der Josefstadt
Ina Biechl
Plaudern in der Bücherei, Wien
Verein Sorgenetz
Projekt "Erzählen über Sorgekulturen am Lebensende (SoKuL)
Verein Wohnen ohne Alterslimit
Daniela Martos

Expert:innen dieser Radiokollegreihe:
Gert Dressel, Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien sowie beteiligt im Verein Sorgenetz und bei der Initiative "Achtsamer 8."

Katharina Heimerl, Public Health Expertin und assoziierte Professorin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien

Franz Kolland, Soziologe Gerontologe und Leiter des Kompetenzzentrums für Gerontologie und Gesundheitsforschung in Krems

Ingrid Marth, pensionierte dipl. Gesundheits- und Krankenpflegerin

Daniela Martos, Geschäftsführerin Verein Sorgekultur und Initiatorin "Achtsamer 8."

Ursula Staudinger, Psychologin, Gerontologin und Rektorin der Technischen Universität Dresden

Ursula Wagner, Verein Wohnen ohne Alterslimit

Anna Wanka, Soziologin und Gerontologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Goethe Universität Frankfurt

Sendereihe