Moment

Mein Vater, der fremde Soldat

Über das Schicksal von Österreichs Besatzungskindern

Mindestens 30.000 Besatzungskinder wurden in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg geboren, als Folge wenige Jahre dauernder Liebesbeziehungen, kurzer Affären, aber auch Vergewaltigungen. Eine von ihnen ist Vera Ganswohl. Ihre Mutter hatte sich unmittelbar nach Kriegsende in einen russischen Fliegeroffizier verliebt; 1948 kam sie auf die Welt. Nur zwei Jahre danach wurde ihr Vater nach Russland abgezogen. Drei Jahrzehnte später kam plötzlich eine Postkarte von ihm. Vera Ganswohl schrieb zurück, und die beiden verabredeten ein Treffen in Moskau. Sie war damals 35 Jahre alt.
Ein Besatzungs-"Enkel" ist Stefan Köglberger, Leiter des Oberösterreichischen Literaturhauses in Linz. Er ist der Sohn des 2018 verstorbenen Jahrhundertfußballers des LASK, Helmut Köglberger. Dieser hatte seinen Vater, einen US-amerikanischen, schwarzen GI, nie kennengelernt. Auch Stefan Köglberger kennt heute weder dessen Namen, noch Alter oder Herkunft. Erst vergangenen Sommer hat er dessen Jugendfreunde aufgesucht. Dabei erfuhr er erstmals, dass seine Großeltern eine kurze, aber intensive Liebesbeziehung miteinander hatten, die im Dorf bekannt war.

Service

Barbara Stelzl-Marx, Silke Satjukow: Besatzungskinder. Die Nachkommen alliierter Soldaten in Österreich und Deutschland (Böhlau Verlag, 2015)

Barbara Stelzl-Marx: Stalins Soldaten in Österreich. Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945-1955 (Böhlau Verlag, 2011)

Philip Bauer, Eugenio Belgrado und Anatol Vitouch: Köglberger. Vom Besatzungskind zur Fußballikone (Bahohe Verlag 2025) (Graphic Novel)

Sendereihe

Gestaltung

  • Jonathan Scheucher