ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Le week-end
"Buddy-Guys" - Buddy Guy trifft Pau Casals
E-Gitarre trifft Analog-Cello. Und ein gewisser Hang zur musikalisch direkten Mächtigkeit ist beiden eigen.
25. April 2026, 13:00
Bluesmusiker Buddy Guy ist fast neunzig Jahre alt, er hat vor einiger Zeit ein neues Album veröffentlicht und geht demnächst auf große Tournee. Der im Jahr 1973 mit immerhin 96 Jahren verstorbene Cellist Pablo Casals kann sich da im Musikerhimmel ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Immerhin hat er schon als Kind im späten 19. Jahrhundert zur Liebe seines Lebens gefunden, zu Johann Sebastian Bach und dessen Cello-Solo-Sonaten. Im Jahr 1936 hat er die ikonenhaften Cello-Sonaten im Studio aufgenommen.
Er wird sie nie vergessen, die schäbige und unwürdige Behandlung seiner schwarzen Vorfahren und Zeitgenossen im weißen Amerika, singt der fast neunzigjährige Buddy Guy in seinem Song "I don't forget", kürzlich veröffentlicht auf seinem jüngsten Album. Niemals vergessen, das war auch für die politisch sehr bewusst lebenden Musiker rund um Pablo Casals die Lebensmaxime. Der Pianist Alexander Schneider, 1908 in Vilius geboren, emigrierte 1933 als Jude von Frankfurt nach New York, war erfolgreicher Musiker und Veranstalter und Musizierpartner von Pablo Casals. Seine Mutter und seine Schwester aber sind in Auschwitz umgekommen und Alexander Schneider ist deswegen nie mehr in Deutschland oder Österreich aufgetreten. Der Geiger Mieczyslaw Horszowski, 1892 in Lemberg geboren und ebenfalls langjähriger Musikkompagnon von Pablo Casals, musste ebenfalls in die USA emigrieren. Und Pablo Casals selbst war ein politisch äußerst bewusst denkender Mensch, ein Verfechter der Republik gegen alle Autoritarismen durch und durch. Nachdem Franco in Spanien an die Macht kommt, verlässt er Spanien, spielt dort nicht mehr und zieht nach Südfrankreich in die Stadt Prades. Das ist zwar in Frankreich, aber eigentlich Nordkatalonisch. Womit wir bei Casals Namen wären: Pablo nannte er selbst sich kaum, weil sein eigentlicher Geburtsname war Pau Casals, also die katalanische Version. Und Pau Casals war auf seine Herkunft aus Katalonien sehr stolz. Pau heißt im katalanischen auch Frieden. Und Pau Casals mied als Musiker nicht nur das faschistoide Spanien Francos, sondern natürlich auch das faschistische Deutschland. Selbst jene Länder, die das spanische Regime Francos auch nur anerkannten, standen auf Pau Casals schwarzer Liste.
Sendereihe
Gestaltung
- Elke Tschaikner
- Christian Scheib
