Tove Ditlevsen

AP/JETTE LADEGAARD

Du holde Kunst

Die Lyrikerin Tove Ditlevsen

"Vertraut mit Sehnsucht und geübt im Verlust" - Irina Wanka liest Gedichte von Tove Ditlevsen. Übersetzung: Ursel Allenstein.

Die 1917 geborene Dänin Tove Ditlevsen sah sich selbst in erster Linie als Lyrikerin. Ihre acht Gedichtbände wurden Bestseller, die (männliche) Kritik der 1960er- und 1970er-Jahre nahm sie allerdings wegen ihrer Innenschau und ihrem Focus auf die scheinbar banale weibliche Lebenswelt kaum zur Kenntnis. Heutige Schriftstellerinnen wie Olga Ravn zählen Ditlevsen zu den wichtigsten Stimmen der Arbeiterliteratur (Sorgearbeit!). Zu hören sind Gedichte aus dem formal traditionellen Frühwerk (vierzeilige Strophen, Endreim) sowie aus der "gebrochenen" Prosalyrik (Dänisch: knaekprosa) des Spätwerks.

Tove Ditlevsen ist im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren vor allem durch die Herausgabe der Kopenhagen-Trilogie im Aufbau-Verlag, bestehend aus den autofiktionalen Romanen "Kindheit", "Jugend", "Abhängigkeit", wiederentdeckt worden. Die radikale Offenheit, mit der in diesen Texten Sexualität, Mutterschaft, Ehe, Scheidung, die Sehnsucht nach künstlerischer Entfaltung und Arbeitsruhe, Alkoholismus, unerwünschte Schwangerschaften u.v.m. thematisiert wird, war in den späten 1960ern und frühen 1970ern, in denen sie erschienen, ziemlich einzigartig. Auch Ditlevsens Gedichte kreisen um diese biografischen Erfahrungen. Sie sind kürzlich erstmals in deutscher Sprache erschienen.

Service

Tove Ditlevsen, Da wohnt ein junges Mädchen in mir, das nicht sterben will. Gedichte. Hrsg. und aus dem Dänischen übersetzt von Ursel Allenstein. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.

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