Menschenbilder
Ingrid Karl & Franz Koglmann: Ambition und langer Atem
Zum Ö1 Jazztag / International Jazz Day am 30. April: Doppelporträt eines Kreativteams.
26. April 2026, 14:05
Ingrid Karl und Franz Koglmann sind seit fast 50 Jahren sowohl privat als auch beruflich ein Kreativteam: Die gebürtige Steirerin, die zunächst in der Theater- und Galerienszene tätig war, und der Wiener Franz Koglmann, Flügelhornspieler und Komponist an der Schnittstelle von Jazz und Klassik, lernten einander im Rahmen der Arena-Bewegung 1976 kennen, der ersten bedeutenden Post-68-er Manifestation der österreichischen Gegenkultur.
Bald darauf bündelten sie ihre Talente, um eine große Mission zu starten: Die Gründung der Wiener Musik Galerie, die als Plattform für neuen Jazz fungierte, gern auch mit einer E-Musik-Tönung, und durch die unterschiedlichsten Aufführungsräume in der Bundeshauptstadt migrierte: vom (damals noch) 20er Haus bis ins MAK, von der Kunsthalle bis in die Szene Wien.
Die Agenda von Ingrid Karl und Franz Koglmann war klar: Musik eine Bühne zu bieten, die sich herkömmlichen Kategorisierungen entzog, und Wahrnehmungs-Leerstellen in Wien, der selbsternannten Welthauptstad der Musik zu beseitigen - und dies immer unter Einbezug des kreativen Potentials von Franz Koglmann: Ausgehend von der frei improvisierten Musik der Sechziger entwickelte er einen Personalstil, der das Erbe von Arnold Schönberg mit dem US-amerikanischen Thirdstream und dem Ton des Cool Jazz-Trompeters Chet Baker zu einem aufregenden Chamber Jazz-Amalgam verknüpfte.
Koglmanns Motto lautet bis heute: "Genauigkeit in der Melancholie". Das gilt gleichermaßen für seine eigene Kunst wie auch für die Programme der Wiener Musikgalerie, die von Ingrid Karl durch gelegentlich raue Gewässer navigiert wurde - ein ambitioniertes Nischenprojekt dieser Art zu finanzieren, war nicht immer einfach. Trotzdem gelang es im Lauf der Jahrzehnte Größen wie Gil Evans, der für Miles Davis komponiert hatte ("Sketches of Spain"), den Pianisten Paul Bley und den Polyartisten Anthony Braxton in Workshops und Konzerten zu präsentieren.
Gestaltung: Thomas Mießgang
Sendereihe
Gestaltung
- Thomas Mießgang
