Thomas Gansch

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken für den Tag

Miles Davis und der Bebop

Thomas Gansch, Trompeter, zum 100. Geburtstag von Miles Davis

Miles Davis war ja selbst aus einem gutbürgerlichen Hause. Sein Vater war Zahnarzt. An der Julliard School, wo eine etwas ältere Lehrerin Jazz erklärt hat, als die Musik der armen, ausgebeuteten Schwarzen, die jetzt traurig sind und deswegen den Blues erfunden haben, der hat er gesagt: Das ist Blödsinn.

Ich komme aus einem gutsituierten Haus. Mein Vater ist Zahnarzt, ich habe nie leiden müssen und trotzdem spiele ich den Blues und empfinde den Blues. Sehr zum Entsetzen dieser Lehrerin.

Miles Davis hat begonnen, Jazz zu spielen, weil er fasziniert war von der damals neuen Bebop-Bewegung. Er ist erst Charlie Parker und Dizzy Gillespie nachgereist und hat letztlich auch mit Charlie Parker gespielt und war auch einer der Motoren in dieser Bewegung. Allerdings hat man in der Zeit, wo er Bebop spielte, noch nicht den Miles Davis herausgehört, sondern einfach einen Trompeter, der Bebop spielt. Also da stand er sicher im Schatten der großen Vorbilder und es hat dann einige Jahre gedauert, bis er seine eigene Art des Spielens gefunden hat.

Als er dann letztlich so 1953 die ersten wirklich eigenständigen Aufnahmen gemacht hat, hat man schon gemerkt, da kommt was ganz Großartiges daher: sein ungemein lyrisches Spiel, die Coolness im Spiel. Er spielte ohne Vibrato. Er spielte dann keine schnellen Linien mehr. Es ging nie um Effekthascherei, sondern es ging immer um Geschichten und Poesie. Er fand mit seinem Sound immer den direkten Weg ins Herz der Zuhörer.

Später hat er sich immer weiterbewegt. Er wollte nie Stillstand und er wollte nie etwas Veraltetes pflegen. Er musste immer nach vorn. Das war der einzige Weg und sein Sound und sein Spiel wurden bis in die 70er Jahre immer intensiver, immer stärker, immer mitreißender. Bis er dann eine lange, lange Abstinenz vom Instrument begann.

Service

Stefan Hentz, "Miles Davis. Sound eines Lebens", Reclam 2026

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Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Cleo Henry
Album: BIRTH OF THE COOL
Titel: Boplicity/instr.
Solist/Solistin: Miles Davis
Ausführender/Ausführende: Jay Jay Johnson
Ausführender/Ausführende: Sandy Siegelstein
Ausführender/Ausführende: John Barber
Ausführender/Ausführende: Lee Konitz
Ausführender/Ausführende: John Lewis
Ausführender/Ausführende: Gerry Mulligan
Ausführender/Ausführende: Nelson Boyd
Ausführender/Ausführende: Kenny Clarke
Länge: 01:00 min
Label: Capitol Jazz CDP 7928622

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