Radiogeschichten
Alte Schule hinter Glas und Damast
"The Hills" von Matias Faldbakken. Aus dem Norwegischen von Maximilian Stadler. Es liest Markus Meyer.
12. Mai 2026, 11:05
"The Hills" ist ein elegantes Restaurant der alten Schule, eine konservative Idylle, die an das Café Landtmann in Wien und die Kronenhalle in Zürich erinnert. Inmitten silberner Milchkännchen, Tischbesen, gestärkten Hemden und moderner Kunst steht die Zeit still, es herrschen der "gute Ton" und ein präzises Protokoll. Der Kellner, der Ich-Erzähler, dient diskret und beobachtet genau. Er hat perfektes Service und Unaufdringlichkeit verinnerlicht. Gemeinsam mit den anderen hochneurotischen Figuren dieses Kammerstücks - seinem Freund Edgar, der Barchefin, dem Barpianist, dem Maître d'hôtel und dem Koch - wacht er gewissenhaft über das Geschehen. Der Roman erzählt in amüsant-süffisantem, unbehaglich-absurdem Ton von zwei Tagen im "Hills", in denen eine verführerische Schöne, die "Kindfrau", Personal und Stammgästen den Kopf verdreht und sich eine Intrige um ein Kunstwerk entspinnt. Die alte Welt mit ihrem Rascheln großformatiger Zeitungen und die neue Welt hypernervöser Smartphone-Abhängigkeit prallen aufeinander.
Matias Faldbakken wurde 1973 geboren, zählt zu den erfolgreichsten bildenden Künstlern Norwegens und sorgte 2003 auch in der Literaturszene mit seiner skandinavischen Misanthropen- Trilogie "The Cocka Hola Company", "Macht und Rebell" und "Unfun" für Aufsehen. "The Hills" ist sein vierter Roman, gefolgt von "Wir sind fünf" (2020) und "Armes Ding" (2024).
Service
Aus: Matias Faldbakken, "The Hills". Aus dem Norwegischen von Maximilian Stadler. Wilhelm Heyne Verlag, 2018
