Radiokolleg

100 Songs: Geschichte wird gemacht (3)

Mu isamaa on minu arm (Mein Vaterland ist meine Liebe) (Estland, 1989)

Am 23. August 1989 bildeten rund zwei Millionen Menschen eine durchgängige Menschenkette, die sich von Tallinn über Riga bis nach Vilnius zog - also die Hauptstädte der estnischen, lettischen und litauischen Sowjetrepubliken. Die über 600 Kilometer lange, durchgängige Menschenkette war ein Protest gegen einen alten Pakt zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion, der nach wie vor Grundlage der Annexion des Baltikums durch die Sowjetunion war, anlässlich seines 50. Jahrestags. Die Machthaber in Moskau hatten bereits Mitte der 1980er Jahre mit Großprojekten, die Schäden an der Umwelt hinterlassen und bestimmte Regionen russifizieren sollten, starke Proteste ausgelöst. Im Sommer 1988 versammelten sich tausende Estinnen und Esten auf zahlreichen Festivals, um mit modernisierten, alten nationalen Liedern friedlich zu demonstrieren. 1989 wurde der Eiserne Vorhang geöffnet, Teile der baltischen Menschenkette sangen patriotische Lieder - darunter das eigens komponierte, dreisprachige "Das Baltikum wacht auf" - und die Berliner Mauer fiel. Es sollte zwei weitere Jahre dauern, bis das Baltikum seine Unabhängigkeit erklären konnte. Diese revolutionäre Bewegung sollte später als 'Singende Revolution' in die Geschichte eingehen.

Gestaltung: Stefan Niederwieser

Service

Radiokolleg-Podcast

Sendereihe