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Punkt eins
Fußball-WM: Menschenrechte auf dem Spiel
Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer: "Turnier der Ausgrenzung" statt Fest für alle? Gast: Dr. Hanna Stepanik, Projektleiterin und Initiatorin des Projekts "GAME ON!" bei der fairplay Initiative, Vienna Institute for International Dialogue and Cooperation (VIDC). Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
13. Mai 2026, 13:00
Die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer, die von 11. Juni bis 19. Juli 2026 stattfindet, wird die größte in der Geschichte des Turniers sein. Erstmals nehmen 48 Teams teil - darunter Österreich - die in 16 Städten 104 Spiele bestreiten werden. Erstmals sind drei Länder die Gastgeber: Kanada, Mexiko und die USA. Erstmals liegt für eine WM ein eigenes Menschenrechtskonzept vor.
Der Weltfußballverband FIFA kündigt darin "eines der diversesten und inklusivsten Feste aller Zeiten" an. Die 16 Austragungsstädte verpflichteten sich Aktionspläne zu entwickeln, um die Rechte von Arbeiter:innen zu schützen, Diskriminierung zu verhindern und die Pressefreiheit zu garantieren. Nur vier Städte veröffentlichten bisher einen solchen Plan.
Nicht nur deshalb zweifeln Menschenrechtsorganisationen daran, wie ernst es die FIFA und die Gastgeberländer mit ihren Versprechen nehmen. Im Vergleich zu Katar, wo die WM 2022 unter großer Kritik stattfand, sieht es dieses Mal zwar nach einem Turnier in demokratischen Staaten aus. "Bei näherem Hinsehen offenbaren sich allerdings menschenrechtliche Missstände", sagt Hanna Stepanik, Leiterin von "Game on! Sport und Menschenrechte", einem Projekt der fairplay Initiative für Vielfalt und Antidiskriminierung im Sport.
"In den USA spitzt sich die Situation rund um die Einwanderungspolitik sowie Presse- und Meinungsfreiheit zu, Mexiko verzeichnet rekordhohe Femizidraten, und in Kanada beobachten wir drastische Rückschritte beim Schutz indigener Rechte", sagte Stepanik im Rahmen einer Pressekonferenz.
Die WM 2026 sei kein Fußballfest für alle, wie auch Fan-Initiativen kritisieren und alleine an den hohen Ticketpreisen zu sehen ist. Die US-Regierung verhängte zudem Einreiseverbote für Fans aus der Demokratischen Republik Kongo, Haiti, Senegal, Côte d'Ivoire und dem Iran. Zur WM-Teilnahme des Iran sagte Donald Trump, er halte diese für "nicht angemessen, im Hinblick auf ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit" - Worte jenes Mannes, dem FIFA-Präsident Gianni Infantino im Rahmen der Auslosung für die Gruppenphase den ersten FIFA-Friedenspreis überreichte.
Wie friedlich wird die WM außerhalb der Stadien ablaufen? Mexiko mobilisiert 100 000 Sicherheitskräfte, darunter das Militär. Kritiker:innen befürchten, dass sie gegen Demonstrant:innen vorgehen könnten, die unmittelbar vor Beginn der WM Kundgebungen abhalten wollen. In den vergangenen Wochen protestierten Menschen in Mexiko-Stadt gegen Infrastrukturprojekte, steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsmangel, Wasserknappheit und Gewalt.
In Kanada steht die Verdrängung von sozial benachteiligten Gruppen in der Kritik. In Toronto wurde laut Amnesty International eine Winterunterkunft für Obdachlose frühzeitig geschlossen, weil die FIFA die Räumlichkeiten gebucht hatte. Wie ist das mit dem Bekenntnis der FIFA vereinbar, sich in allen Aktivitäten und Beziehungen für den Schutz der Menschenrechte einzusetzen?
Wie können sportliche Großereignisse genützt werden, um öffentlich Kritik zu üben? Welche Verantwortung tragen die nationalen Fußballverbände, Sponsoren und die Politik? Welche Rolle spielen die Fans, wenn es um den Einsatz für Solidarität und Fairness geht?
Darüber spricht Marina Wetzlmaier mit Hanna Stepanik und mit Ihnen. Rufen Sie an unter 0800 22 69 79 (kostenfrei aus ganz Österreich) oder schreiben Sie uns ein E-Mail an punkteins(at)orf.at.
