Zwischenruf

Aktuell seit über 3.000 Jahren

von Jasmin Freyer, Kultusrätin der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und kooptiertes Vorstandsmitglied im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit

Ein Fest steht ins Haus. Zum jüdischen Wochenfest Shawuot feiern Juden und Jüdinnen den Empfang der Tora am Berg Sinai vor 3300 Jahren. Zugleich ist es der Beginn der Fruchternte in Israel. Zu der Zeit ist es im Land warm und die Erstlingsfrüchte werden geerntet. Shawuot wird daher auch "Tag der ersten Früchte" genannt, es ist also auch ein Erntedankfest.

Und es ist auch ein Fest der Freude: mit Gebet, Gesang und Tanz. Für das jüdische Volk war die Übergabe der Tora ein einzigartiger Moment: das einzige Mal, dass sich Gott dem ganzen Volk offenbarte. Das Geben der Tora geschah einmal, das Empfangen der Tora geschieht jedoch jeden Tag aufs Neue. Dieses Empfangen wird aus jüdischer Sicht mit dem täglichen Lernen aus den jüdischen Schriften verwirklicht. Bei der Toraübergabe wurden laut Judentum die Zehn Gebote öffentlich vor dem Volk ausgesprochen. Sie stehen daher auch heute noch, zu Shawuot, im Mittelpunkt der Lesung in der Synagoge. Die Synagoge wird an diesem Tag reich mit Blumen geschmückt, denn sie symbolisiert den Berg Sinai.

Shawuot beginnt heuer am Abend des 21. Mai und dauert bis zum 23. Mai. Im Hebräischen Kalender fällt es auf den 6. Siwan. In Israel wird es einen Tag, in der Diaspora - also außerhalb Israels - zwei Tage gefeiert. Das Judentum lehrt, dass alle jüdischen Seelen - vergangene und zukünftige - am Berg Sinai anwesend waren. Die Offenbarung betrifft somit jede Jüdin und jeden Juden, alle Generationen. Und das Judentum lehrt auch, dass zu Shawuot wechselseitige Gelübde zwischen Gott und dem Volk Israel geschlossen wurden: Das Volk Israel verpflichtete sich zur Tora. Und Gott versprach wiederum, das jüdische Volk durch kein anderes zu ersetzen.

An diesem ersten historischen Shawuot vor über 3300 Jahren sind daher laut Überlieferung alle Jüdinnen und Juden zum Judentum übergetreten, indem sie die Thora und die darin enthaltenen Gesetze annahmen. Darum liest man in vielen Synagogen auch das Buch Ruth. Ruth ist mit ihrem ganzen Herzen und voller Überzeugung auch zum Judentum übergetreten. Zu Shawout stehen die Zehn Gebote im Mittelpunkt, denn sie wurden den jüdischen Lehren nach bereits am Berg Sinai öffentlich vor dem Volk ausgesprochen. Heutzutage stellen sie die moralische Grundlage für große Teile der Menschheit dar.

Die Zehn Gebote, die ich hier ganz bewusst in Erinnerung rufen möchte, sind aus jüdischer Sicht folgende:
1. Ich bin der H-rr, dein G-tt.
2. Du sollst keine anderen G-tter neben mir haben.
3. Missbrauche nicht den Namen G-ttes.
4. Halte den Schabbattag und heilige ihn.
5. Ehre deinen Vater und deine Mutter.
6. Du sollst nicht morden.
7. Du sollst keinen Ehebruch begehen.
8. Du sollst nicht stehlen.
9. Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen.
10. Du sollst nicht begehren.

Shawuot und die Zehn Gebote erinnern daran, wie wertvoll Verantwortung, Zusammenhalt und menschliche Würde sind. Mögen uns daher Weisheit und Menschlichkeit auf allen unseren unterschiedlichen Wegen begleiten, das würde ich mir für alle wünschen.

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Felix Mendelssohn Bartholdy
Album: Lieder ohne Worte - Igor Levit
Titel: Lied ohne Worte für Klavier c-Moll, op. 38 Nr. 2 (MWV U 115)
* Allegro non troppo
Gesamttitel: 6 Lieder ohne Worte für Klavier, Heft 3, op. 38 (MWV SD 16) / Auswahl
Solist/Solistin: Igor Levit /Klavier
Länge: 01:49 min
Label: Sony Classical 19658878982 EAN: 0196588789823

Komponist/Komponistin: Felix Mendelssohn Bartholdy
Album: Lieder ohne Worte - Igor Levit
Titel: Lied ohne Worte für Klavier e-Moll, op. 102 Nr. 1 (MWV U 162)
* Andante un poco agitato
Gesamttitel: 6 Lieder ohne Worte für Klavier, Heft 8, op. 102 (MWV SD 54) / Auswahl
Solist/Solistin: Igor Levit /Klavier
Länge: 03:40 min
Label: Sony Classical 19658878982 EAN: 0196588789823

weiteren Inhalt einblenden