Rosalia, 2022

AP/JUAN BENITEZ

Radiokolleg

Rosalía: Pop-Visionärin und Grenzgängerin (3)

"Motomami": Feminismus, Reggaeton und Metamorphose

2022 zementiert sich Rosalía als Weltstar. Mit ihrem dritten Studioalbum "Motomami" schafft sie den internationalen Durchbruch, weit über die spanischsprachigen Grenzen hinaus. In Motorrad-Lederkluft und mit langen Acrylnägeln besingt sie Geld, Ruhm und Sex genauso wie deren Vergänglichkeit, Schmerz und Transformation. Die jetzt 29-jährige erschafft für die Platte das "Motomami-Universum": Eine feminisierte Welt, die auf einer ausgeglichenen Vorstellung von Weiblichkeit beruht. "Moto" steht für Kraft, während "Mami" Fragilität und Zärtlichkeit in den Blick nimmt. Motive aus der Auto- und Motorradwelt erscheinen in der Ikonografie, den Musikvideos und sogar im Sound der Platte, etwa durch Motorengeräusche als dekoratives Element. Die "Motomami" wird zu einem feministischen Konzept, das sich im Folgejahr auch auf Demoschilder am 8. März wiederfindet - etwa mit Textzeilen wie "Ich lasse mir von keinem Mann mein Urteil diktieren".
Mit "Motomami" geht Rosalía auch musikalisch eine neue Ära ein, die stark an den lateinamerikanischen Musiktraditionen orientiert ist: Reggaeton soll hier auf Jazz treffen, kubanischer Bolero und Bachata aus der Dominikanischen Republik auf Hip-Hop der 2000er. Das Album gewinnt zahlreiche Latin-Grammys, sorgt aber gerade in der lateinamerikanischen Musikwelt auch für Kritik: Wieder einmal werden Rufe der kulturellen Aneignung laut, wieder einmal lässt sie Rosalía an sich abprallen.
Wie prägt Rosalía mit ihrem wiedererkennbaren Sound und ihrer Ästhetik junge Musiker:innen, auch in Österreich? Und wie trägt sie mit ihrem Werk zum feministischen Diskurs bei?

Gestaltung: Melissa Erhardt und Siri Malmborg

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