Spielräume

Souad Massi. Zart und hart wie die Gegenwart

Musik aus allen Richtungen mit Johann Kneihs. Das neue Album "Zagate" und der weite Weg der Sängerin Souad Massi

Sie ist im Arbeiterviertel Bab El Oued von Algier aufgewachsen, mit amerikanischer Folkmusik. Als junge Erwachsene sang sie in einer politischen Rockband und wurde mit dem Tod bedroht. Ende der 1990er Jahre wechselte Souad Massi nach Frankreich. Vor 25 Jahren erschien dort ihr Debütalbum "Raoui", Geschichtenerzähler - und die Musikwelt entdeckte eine neue Stimme des Maghreb.

Seither sind ihre Lieder auch stilistisch immer vielsprachiger geworden. Sie singt in algerischem und klassischem Arabisch, auf Kabylisch und Französisch. Ikonen des französischen Chansons wie Reynaud oder Francis Cabrel oder der Doyen des Britpop Paul Weller waren bei Auftritten und Aufnahmen dabei. Ihr Album "Sequana" (mit Piers Faccini and der Flötistin Naïssam Jalal) erhielt den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik für seine "unwiderstehliche und absolut befreiende Mischung" in der Musik.

Souad Massis aktuelles Album "Zagate" geht womöglich noch weiter. Die Rock-Ästhetik des Produzenten Justin Adams, kantige Kommentare zum Zustand der Welt stehen neben poetischen Texten und Dialogen mit den Rappern Gaël Faye oder Youssoupha. Es läuft schief in der Welt - der Ausdruck "zagate" kommt von "ça se gâte", "es wird schlimmer".

Man kann das Album so auch als zeitgenössisches Chanson hören, als neue musikalische Form eines Frankreichs, das von Mehrsprachigkeit und Multikulturalität geprägt ist - mitunter friedlich, manchmal von Konflikten begleitet. Im Lied "L'équation #2", Gleichung Nummer 2, singt Souad Massi mit Anklang an Antoine de Saint-Exupérys Kleinen Prinzen:

"Hör drauf, was dein Herz dir sagt,
Denn nur das Herz sieht und nicht das Auge.
Versteh, woher dein Stolz kommt.
Unwissenheit führt zu Angst, und Angst zu Hass,
Und Hass führt zu Gewalt - das ist die Gleichung."

Sendereihe

Gestaltung