ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Schwerpunkt
Wolfgang Puschnig zum 70er
Keine Berührungsängste in der Musik wie im Leben - Saxofonist und Flötist Wolfgang Puschnig, internationales Aushängeschild des österreichischen Jazz, feiert seinen 70. Geburtstag
7. Mai 2026, 13:51
Zu den Sendngen
16 05 2026 | Jazznacht
21 05 2026 | Spielräume
22 05 2026 | In concert
22 05 2026 | Spielräume - Nachtausgabe
Als Wolfgang Puschnig am 26. November vorigen Jahres im Casineum in Velden - gemeinsam mit Gitarrist Wolfgang Muthspiel - den erstmals vergebenen High Impact Award im Rahmen des Österreichischen Jazzpreises entgegennahm, da lächelte er nur verschmitzt - und dankte dafür, dass die Auszeichnung nicht als Preis für das "Lebenswerk" vergeben wurde. Denn dieser Begriff - das war schon in den Ansprachen davor deutlich geworden - hätte doch zu sehr einen abgeschlossenen Schaffensprozess suggeriert.
Die besten Momente ergeben sich, wenn ich mir nicht selbst im Weg stehe.
Womit man einem Musiker wie Wolfgang Puschnig, auch wenn sich dieser bereits im Anflug auf seinen 70. Geburtstag befand, angesichts seiner Neugierde, seinem Fehlen jedweder Berührungsängste, seiner steten Offenheit für neue Projekte nie und nimmer hätte gerecht werden können. Die in den vergangenen Jahren übrigens nicht selten kompositorischer Natur waren: 2023 wurde beim Carinthischen Sommer mit "Das Kirchlein von Tauern" die erste Kurzoper von Puschnig uraufgeführt, mit einem Libretto von Antonio Fian. Und am 8. Mai 2026 erlebt seine Komposition "Même Jeu - Nouvelle Manche" im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins seine Premiere, ausgeführt durch das ensemble XXI. Jahrhundert unter der Leitung von Peter Burwik.
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Am Instrument die Herkunft reflektieren
In seinem angestammten Metier stellte Wolfgang Puschnig seinen Forschergeist schon in den Jahrzehnten davor immer wieder in eindrucksvoller Weise unter Beweis: Gilt der 1956 in Klagenfurt geborene Altsaxofonist und Flötist, der in den 1980er Jahren als Solist von Mathias Rüeggs Vienna Art Orchestra bekannt geworden ist, doch als glücklicher Modellfall eines europäischen Jazzmusikers, dem der ästhetische Spagat, am Instrument seine Herkunft zu reflektieren, die persönlichen "Roots" hörbar zu machen, um gleichzeitig in den verschiedenen Projekten kosmopolitische Offenheit zu demonstrieren, glaubwürdig wie nur wenigen gelingt.
Puschnig bleibt Puschnig, ob er sich nun im Kontext von traditioneller österreichischer Blasmusik, konkreter Poesie, rappigen Rhymes, tiefschwarzem Funk-Jazz oder traditionellen koreanischen Rhythmen bewegt. Die kantable Lyrik seiner Saxofonlinien, vollgesogen mit der "bluesigen" Sinnlichkeit der slowenisch-südösterreichischen Volksmusik seiner Heimat Kärnten, weist ihn als hinreißenden Sänger ohne Worte aus.
Der Jubilar zu Gast im Studio
Am 21. Mai begeht Wolfgang Puschnig nun tatsächlich seinen 70. Geburtstag. Ö1 feiert Österreichs Jazzaushängeschild mit einer Reihe von Sendungen, in der "Spielräume - Nachtausgabe" am 22. Mai wird Puschnig selbst anwesend sein und als Gast von Klaus Wienerroither über sein Leben und seine Musik sprechen - und vielleicht auch über das Geheimnis hinter der lächelnden Gelassenheit, mit der er Menschen aus allen Richtungen begegnet.
Der Autor dieser Zeilen erinnert sich an zwei bemerkenswerte Sätze, die ihm Wolfgang Puschnig schon vor 20 Jahren, im Rahmen eines Interviews zu seinem 50. Geburtstag, zu Protokoll gab. Diese hallen bis heute wie ein weises Lebensmotto nach: "Was mir gut gefällt, ist, mit einer gewissen Absichtslosigkeit zu spielen. Ich bin draufgekommen, dass sich die besten Momente für mich dann ergeben, wenn ich mir als Person nicht selbst im Weg stehe."
