Ö1 Hörspiel

"Elektra" von Helmut Peschina nach Sophokles

Mit den Hörspielfassungen von "Medea" (2016), "Antigone" (2020) und "Elektra" (2022) hat Helmut Peschina eine Radiotrilogie geschaffen, die drei eindrucksvolle Frauenfiguren der griechischen Mythologie ins Zentrum stellt. Peschina wählte dafür eine direkte, gegenwärtige Sprache. Mit Elektra erzählt er die Geschichte einer jungen Frau, deren Leben ganz vom Wunsch nach Vergeltung bestimmt ist.

Elektra wartet seit Jahren auf die Rückkehr ihres Bruders Orestes. Gemeinsam wollen sie den Mord an ihrem Vater Agamemnon rächen - jenem König von Mykene, der nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg von seiner eigenen Frau Klytaimnestra und ihrem Geliebten Aigisthos erschlagen wurde. Die Tat war selbst ein Akt der Rache: Zu Beginn des Krieges hatte Agamemnon ihre gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert.

Seitdem herrscht Klytaimnestra an der Seite von Aigisthos über Mykene. Ihre Töchter Elektra und Chrysothemis leben im Palast - doch ihr Leben gleicht einer Gefangenschaft. Während Chrysothemis versucht, sich mit der Situation zu arrangieren, hält Elektra unbeirrbar an der Erinnerung an den Vater fest und wartet auf den Moment der Vergeltung. Als sie jedoch die Nachricht erreicht, Orestes sei bei einem Unfall ums Leben gekommen, scheint jede Hoffnung verloren. Elektra glaubt sich nun endgültig allein und fasst einen Entschluss: Wenn niemand zurückkehrt, um ihr zu helfen, wird sie die Rache selbst vollziehen.

Schon Sophokles zeichnet in seiner Bearbeitung des Elektra-Stoffs ein düsteres Bild einer Familie, in der Gewalt neue Gewalt hervorbringt. Auch in der sprachlich modernen Hörspielfassung von Helmut Peschina bleiben die Fragen nach Schuld und Recht bewusst offen. Denn jede der Frauen im Zentrum der Handlung - Elektra, Klytaimnestra und Chrysothemis - hat ihre eigenen Gründe für ihr Handeln.

Nicht große Gesten bestimmen diese Inszenierung, sondern die präzise, zurückgenommene Interpretation der Schauspielerinnen und Schauspieler. Gerade diese Nüchternheit lässt die antike Tragödie überraschend gegenwärtig erscheinen.

"Elektra" von Helmut Peschina nach Sophokles, Übersetzung: Karl Wilhelm Ferdinand Solger, mit Sarah Viktoria Frick (Elektra), Max Gindorff (Orest), Lilith Häßle (Chrysothemis), Dorothee Hartinger (Klytaimnestra), Markus Hering (Aigisthos), Michael König (Erzieher des Orest) und Brigitte Karner (Mykenerin), Komposition: Peter Imig, Regieassistenz: Teresa Schwind, Tongestaltung: Elmar Peinelt und Manuel Radinger, Regie: Harald Krewer (ORF 2022 )

Service

Sophokles: Elektra, übersetzt von Kurt Steinmann, mit einem Nachwort von Markus Janka, Reclam 2021

Sendereihe

Gestaltung

  • Elisabeth Weilenmann

Übersicht