Zwischenruf
Der Geist des einander Verstehens
von Sr. Karin Weiler, Theologin und Mitglied der Schwesterngemeinschaft Caritas Socalis (CS)
24. Mai 2026, 06:55
Heute ist Pfingsten. Mich fasziniert an dem, was die Bibel darüber erzählt, vor allem eines: dass Menschen mit unterschiedlichen Sprachen einander verstehen. "Ein jeder hörte sie in der eigenen Sprache sprechen", heißt es in dem Text. Gelingende Kommunikation wird hier als Aufweis des Wirkens des göttlichen Geistes benannt.
Ein Wunder wäre das auch heute, wenn sich plötzlich alle wirklich verstehen. Angesicht der Kriege, Auseinandersetzungen und Missverständnisse könnte ich mich jetzt traurig abwenden. Ich will aber schauen, wo es das gibt: diese wunderbare Erfahrung des einander Verstehens über alle Sprache hinweg.
Die Veränderungen von Menschen mit Demenz gehen oft mit Barrieren in der Kommunikation einher. Trotzdem kann ich in der Begegnung mit Menschen, die mit dem Vergessen leben, viel staunen und lernen. Ich denke an meine Mitschwester Stefana. Sie hat lange in Brasilien gelebt. Heute lebt sie mit ihrer fortschreitenden Demenz in der CS Pramergasse. Sie wird liebevoll betreut, manchmal wirkt sie wie in einer anderen Welt. Maria, eine Ehrenamtliche aus Brasilien, kommt mehrmals in der Woche und spricht Portugiesisch mit ihr. Anlässlich ihres 90. Geburtstags haben wir eine Videoschaltung zu den Schwestern in Brasilien organisiert. Schwester Stefana konnte fehlerfrei, wortreich und mit Witz portugiesisch plaudern und es war eine Freude, auf diese Weise mit brasilianischen Liedern und Klängen zu feiern. Gelungene Kommunikation hat auch mit Beziehung, dem Gefühl von Heimat und einem Gleichklang zu tun.
Nie werde ich vergessen, wie die Pflegenden einer anderen Mitschwester, als sie ihre Sprache schon verloren hatte, Respekt schenkten. Schwester Ursula war früher für das Haus verantwortlich gewesen, in dem sie jetzt gepflegt wurde. Sie wurde mit demselben Respekt, Tonfall und Stimmlage angesprochen, wie in der früheren Funktion. Ihre nicht mehr artikulierten Äußerungen wurden ernst genommen. War sie aufgebracht und konnte das nur noch durch Töne des Ärgers ausdrücken, so gelang es den Pflegenden, die Gefühlslage zu verstehen und auszudrücken: "Das ist ärgerlich!" Schwester Ursula fühle sich verstanden. Machte noch einmal eine ärgerliche Äußerung zur Bekräftigung. Ebenso erreichbar war sie mit einer positiven Äußerung über ihre Kleidung oder Frisur. In ihrem Tonfall war dann ein freudiges, dankbares U zu hören.
Die Kunst der Kommunikation hat mit Mitschwingen im Tonfall zu tun, mit einer Form von Einfühlung, die hinter dem Inhalt die Gefühle spürt, mit Beziehung. Ich wünsche mir dieses Wunder, diesen Geist, in den vielen Gesprächen des Alltags, in der kleinen und großen Politik, dass hinter den Worten das Eigentliche gehört wird und alle das Gegenüber in ihrer eigenen Sprache verstehen.
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Otto M. Schwarz
Komponist/Komponistin: Kurt Brunthaler
Gesamttitel: DIALOGE FÜR KLAVIER
Titel: Dialoge für Klavier Cut 4
Ausführende: Otto M. Schwarz
Ausführende: Kurt Brunthaler
Länge: 05:49 min
Label: ORF-Enterprise Musikverlag
Komponist/Komponistin: Otto M. Schwarz
Komponist/Komponistin: Kurt Brunthaler
Gesamttitel: DIALOGE FÜR KLAVIER
Titel: Dialoge für Klavier Cut 6
Ausführende: Otto M. Schwarz
Ausführende: Kurt Brunthaler
Länge: 04:30 min
Label: ORF-Enterprise Musikverlag
