APA/HELMUT FOHRINGER
Punkt eins
Milliarden-Kürzung bei Unibudgets
Sparpläne für Unis - eine Gefahr für Forschung, Bildung und Wirtschaft? Gäste: Rektorin Brigitte Hütter, MSc, Juristin, Präsidentin der Universitätenkonferenz (Uniko) & Dr. Jürgen Janger, MSc, Senior Economist, Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
26. Mai 2026, 13:00
Dass laut Bundesregierung gespart werden muss, ist nicht neu. Seit Monaten wird an der Konsolidierung des Staatshaushaltes gearbeitet. Kürzungen sollen etwa im Sozialbereich, der Landwirtschaftsförderung oder bei Infrastrukturbereichen greifen, und nun ist bekannt: Auch die heimischen Universitäten müssen mit empfindlichen Einsparungen bei der öffentlichen Finanzierung rechnen.
Das Wissenschaftsministerium informierte die Universitätenkonferenz (Uniko) vor Kurzem über die geplanten Kürzungen, also konkret darüber, dass es für die 22 öffentlichen Unis im nächsten Dreijahresbudget für 2028 bis 2030 inklusive Arztgehältern an Unikliniken insgesamt nur 15,5 Mrd. Euro geben soll. Das wäre um eine Milliarde weniger als in der aktuellen Leistungsvereinbarungsperiode (2025-2027).
Laut Uniko brauchten die Unis ab 2028 allein zur Abdeckung der Inflation 18 Milliarden Euro - werde die einberechnet, stellt das angekündigte Budget eine Kürzung um 14 Prozent bzw. 2,5 Milliarden Euro dar. In dieser Dimension sei das beispiellos, kritisiert die Uniko-Präsidentin Brigitte Hütter, Rektorin der Kunstuniversität Linz. Die Rektorinnen und Rektoren befürchten fatale Folgen und ruft zu Protestaktionen auf. Zu diesen fatalen Folgen zählt ein Anstellungsstopp auf Jahre hinaus. Denn wenn es zu den Kürzungen kommt, müssten die Hochschulen ein Fünftel des Personals, das entspricht 10.000 Köpfen, einsparen.
Darunter würden einerseits die Betreuungsverhältnisse in der Lehre leiden und sich folglich die Ausbildung verschlechtern, andererseits verlieren die heimischen Universitäten damit an Attraktivität für internationalen Forschende - etablierte wie vielversprechenden Nachwuchs. Im Wettbewerb um "die besten Köpfe" werde das zu einer Schlechterstellung führen, die dem Wissenschaftsstandstandort Österreich nachhaltig schaden dürfte. Für junge Forschende, die bereits jetzt mit prekären Beschäftigungsverhältnissen und unsicheren Karriereaussichten zu kämpfen haben, dürfte sich die Situation abermals verschlechtern.
Darüber hinaus dürften solche Einsparungen auch wirtschaftliche Folgen haben: Denn, das haben zahlreiche Erhebungen gezeigt, Investitionen in Universitäten und deren Grundlagenforschung "zahlen sich aus". Der Ökonom Jürgen Janger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) erhob mit seinem Team etwa die langfristigen Produktivitätseffekte durch Wissensproduktion und -vermittlung an den Universitäten, die für den langfristigen Wohlstand Österreichs entscheidend sind.
Das unterstreicht auch der "Draghi-Report" aus dem Jahr 2024 zur Wettbewerbsfähigkeit Europas in Zukunft. Der rapide technologische Wandel und die multiplen Krisen der Gegenwart machen größere Investitionen in Grundlagenforschung notwendig, um die Innovationskraft der EU-Mitgliedsstaaten zu stärken und damit wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. Weiters betont der Bericht: Erfolgreiche Grundlagenforschung findet zu einem großen Teil an Universitäten statt.
Hinzu kommen kurzfristige ökonomische Effekte: Jangers Erhebung für Österreich zeigt, dass schon die Steuereinnahmen, die sich aus dem Betrieb der Universitäten ergeben, etwa durch Personalausgaben, kurz- bis mittelfristig höher sind als die Bundesmittel für Universitäten. Das führt zu der Frage, inwiefern sich Kürzungen an den Universitäten dann positiv auf den Staatshaushalt auswirken können.
Marlene Nowotny spricht in dieser Ausgabe von Punkt eins mit Brigitte Hütter und Jürgen Janger über die Situation der heimischen Universitäten, die kurz- und langfristigen Auswirkungen der geplanten Kürzungen und den Stellenwert von universitärer Forschung für den Wirtschaftsstandort Österreich.
Wie immer sind unserer Hörerinnen und Hörer herzlich eingeladen, sich an der Diskussion zu beteiligen: Diskutieren Sie mit! Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
