Kind im Krankenhaus

APA-IMAGES/EYEVINE/MOHAMMED XINHUA

Am Puls - Gesundheit und Medizin

Gebt den Kindern das Kommando

Wenn das Nest die Jungen verlässt: Care Leaver ++ Was beim Krankenstand zu beachten ist ++ Live Am Puls - Sprechstunde: Kinder im Gesundheitswesen | Zu Gast: Simon, Lara, Sara, Rosie, Stella Promussas sowie Angelika Heumader-Rainer, Kinderliga | Moderation: Ronny Tekal | Anrufe: 0800 22 69 79 | E-Mail: ampuls@orf.at

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Rund 200.000 Kinder und Jugendliche leben in Österreich mit chronischen Erkrankungen. Für viele gehören Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte zum Alltag. Ein Leben, das für die ganze Familie oft mit Einschränkungen und Herausforderungen verbunden ist.
Der Artikel 24 der UN-Kinderrechtskonvention garantiert jedem Kind das Recht auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit, Zugang zu medizinischer Versorgung, sauberem Trinkwasser, gesunder Ernährung und Aufklärung. Zudem verpflichtet die Konvention Staaten, die Rechte des Kindes in allen Entscheidungen, die es betreffen, ernst zu nehmen - inklusive der Teilhabe in medizinischen Gesprächen und Behandlungsentscheidungen. In der Praxis entscheiden grundsätzlich die Erziehungsberechtigten, ob medizinische Behandlungen erfolgen dürfen, erst ab dem 14. Geburtstag auch die "mündigen Minderjährigen".
Die 2007 gegründete Kinderliga sieht, trotz hierzulande hohem Niveau der gesundheitlichen Versorgung, Verbesserungsbedarf und setzt sich für mehr Teilhabe der Kinder, stärkere Chancengleichheit und einen Zugang zu notwendigen Therapiemaßnahmen - unabhängig von einer Privatversicherung - ein. Zudem würde der plötzliche Übergang junger Patientinnen und Patienten aus der Kinder- und Jugendmedizin in die Erwachsenenversorgung, die sogenannte Transition, noch überaus holprig erfolgen und Versorgungslücken aufweisen.
Ronny Tekal thematisiert anlässlich des internationalen Kindertages, der am 1. Juni begangen wird (neben dem UNICEF-Kindertag am 20. September und dem Tag der Kinderrechte am 20. November), die Kinder- und Jugendgesundheit. Eine Sendung nicht nur über, sondern ausdrücklich mit Kindern und Jugendlichen, die bereits Erfahrungen im Gesundheitssystem gemacht haben.

Zu Gast:

Rosie, 12 Jahre, Patientin am St. Anna Kinderspital
Simon, Teenager mit Typ-1-Diabetes
Lara und Sara, 17-jährige Zwillinge, nach Stammzelltransplantation bei genetischer Erkrankung (Namen von der Redaktion geändert)
Stella Promussas, 26 Jahre, Lehrerin, lebt seit ihrer Geburt mit einer seltenen Stoffwechselerkrankung (kongenitaler Hyperinsulinismus)
Angelika Heumader-Rainer, Geschäftsführerin Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit (Kinderliga)


Care-Leaver: Mit 18 auf sich alleine gestellt

In Österreich werden junge Menschen auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit im Schnitt bis zum 25. Lebensjahr begleitet, im Notfall steht ihnen ein Zuhause zur Verfügung, in das sie zurückkehren können. Auch danach, wenn das Leben ungemütlich oder ein Problem übermächtig erscheint, dient die Familie vielen als sicherer Hafen und Ort der Geborgenheit. Für junge Erwachsene, die einen Teil ihrer Kindheit und Jugend in stationären Erziehungshilfen, wie betreuten Wohneinrichtungen oder Pflegefamilien verbracht haben, gilt das nicht. Bei den sogenannten Care Leavern endet mit Erreichen der Volljährigkeit mit 18 die Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe, in Ausnahmefällen mit spätestens 21 Jahren. Rund 3.000 junge Menschen verlassen jährlich die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Der Begriff "Care Leaver" täuscht dabei: Nicht die Jugendlichen verlassen die Betreuung, vielmehr verlässt das System sie. So stehen sie mit 18 Jahren vor Herausforderungen, auf die sie nicht vorbereitet sind und die sie alleine bewältigen müssen. Auch der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist in dieser Lebensphase oft lückenhaft. "Gerade Jugendliche mit schwieriger Lebensgeschichte brauchen Begleitung und Betreuung über das 18. Lebensjahr hinaus", so der stellvertretende Direktor der Diakonie Martin Schenk: "Diese Begleitung wirkt stark präventiv und beugt vor, wie wir aus anderen europäischen Ländern wissen." Der Sozialexperte fordert, dass die Betreuungs- und Begleitungsfrist von 18 auf 24 Jahren erhöht wird.
Helene Keclik hat Martin Schenk interviewt und mit dem Care Leaver Michael Kerschenbauer gesprochen, der mit zwei Jahren in eine Pflegefamilie gekommen und bei den ersten Schritten ins Erwachsenenalter auf sich alleine gestellt war.

Interviewpartner:

Michael Kerschenbauer, im Pflegekindsystem aufgewachsen, ehem. Care Leaver, mittlerweile im Sozialbereich tätig, Projekt Care Leaver*innen, Jugend am Werk Steiermark

Martin Schenk, Psychologe, Sozialexperte und Menschenrechtsaktivist, stv. Leiter der Diakonie Österreich und Mitbegründer der Armutskonferenz


Rubrik "Eine Frage noch"

Was muss ich beim Krankenstand beachten?
Die Antwort gibt die Juristin Biljana Savic von der Arbeiterkammer Wien
Beitrag von Norbert Peter

Service

Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit - Kinderliga
Österreichischer Kinderhospiz- und Palliativtag, 1. Juni


Beitrag Care Leaver

Selbstvertretungsverein Care Leaver*innen
Recht auf Hilfe für Jugendliche bis 24 - Diakonie Österreich

Buch:

Martin Schenk, Hedwig Wölfl (Hg.)
Was Kindern jetzt gut tut. Gesundheit fördern in einer Welt im Umbruch
Ampuls Verlag 2022

Sendereihe