Brennerautobahn

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Punkt eins

Brennerpass: "Umfahren Sie Tirol!"

Der Brennerkorridor, gordischer Verkehrsknoten des Alpenraums. Gäste: Em.O.Univ.Prof. Dr. Hermann Knoflacher, Forschungsbereich Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, TU Wien & Dr. Stephan Tischler, Arbeitsbereich intelligente Verkehrssysteme, Universität Innsbruck. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Am Samstag, mitten im Pfingstreiseverkehr, wird eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Alpen für einen Tag gekappt. Ab neun Uhr werden keine LKW mehr auf die Brennerautobahn gelassen, von 11 bis 19 Uhr ist die A13 zwischen der Mautstelle Schönberg und dem Brennerpass für eine Kundgebung gesperrt. Die umliegenden Bundesstraßen werden für Sicherheit und Versorgung der Region benötigt und sind daher für den Durchzugsverkehr ebenfalls tabu. Die Behörden fordern deshalb auf, das ganze Bundesland großräumig zu umfahren. Mit erheblichen Beeinträchtigungen ist den ganzen Tag lang zu rechnen - obwohl die Demonstration selbst nur für etwa drei Stunden angemeldet ist. So mächtig ist die Transitroute zwischen Deutschland, Österreich und Italien über den Brennerpass.

Das ist auch der Grund für die Blockadeaktion, die von den Anrainergemeinden im Tiroler Wipptal organisiert wird: Für die Bevölkerung hat die Belastung durch den Schwerverkehr endgültig unerträgliche Ausmaße erreicht. Sie fordern effektive Lärmschutzwände, eine konsequente Durchsetzung von Nacht- und Wochenendfahrverboten und eine Anhebung der Maut, um den Transitverkehr einzuhegen. Für die Aktion gibt es grenzüberschreitende Unterstützung, aber auch viel Kritik. Und das ist nicht neu: Die ungelöste Verkehrssituation am Brenner sorgt seit Jahrzehnten für heftige Debatten und Proteste. Eine nachhaltige Lösung fehlt.

Tirols Landeshauptmann Anton Mattle zeigte Verständnis für die Anwohner:innen der Brennerautobahn, räumte aber ein, dass eine spürbare Entlastung erst mit der Fertigstellung des Brennerbasistunnels zu erwarten sei. Das wird aber von Expertenseite angezweifelt. Gutachten zufolge würden unter den derzeitigen Bedingungen lediglich 0,5 bis vier Prozent des Schwerverkehrs von der Straße auf die Schiene wandern, erklärte der emeritierte TU-Professor Hermann Knoflacher diese Woche bei einer Diskussion mit Bürger:innen in Südtirol. Eine echte Verkehrsverlagerung sei nur mit politischen Maßnahmen zu erreichen.

In dieselbe Kerbe schlägt eine Aussendung der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA vom Dienstag: Gefragt sei nichts Geringeres als eine "umfassende Transformation des alpenquerenden Verkehrs, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt". Dazu brauche es "klare politische Rahmenbedingungen, eine stärkere Priorisierung umweltfreundlicher Verkehrsträger und eine enge Zusammenarbeit auf europäischer Ebene".

CIRPA-Österreich-Präsident Stephan Tischler ist Senior Scientist an der Universität Innsbruck und beschäftigt sich speziell mit Verkehrsplanung im Alpenraum. Zusammen mit Hermann Knoflacher ist er zu Gast bei Xaver Forthuber. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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