Ambiente - von der Kunst des Reisens

Unterwegs an der Bottensee

Ambiente Spezial:
Eine Reise entlang der Westküste Finnlands zu den Städten Turku, Rauma und Vaasa.

Politisch ist Turku schon seit zweihundert Jahren nicht mehr die Hauptstadt Finnlands. Auf dem Gebiet der Kulinarik sieht man sich hier aber noch immer auf dem Spitzenplatz, wie ein Rundgang durch die Markthalle und zu lokalen Produzenten zeigt. Mit Superlativen geht es auch entlang der Küste der Bottensee weiter. Der historische Kern der Stadt Rauma ist als größte hölzerne Altstadt Skandinaviens Unesco-Weltkulturerbe, das Kvarken-Archipel vor Vaasa, der schwedischsten aller finnischen Städte, Unesco-Weltnaturerbe. Dass der Gin, der hier in der Gegend gebrannt wird, bereits mehrere Weltmeistertitel gewonnen hat, versteht sich da fast von selbst. Georg Renöckl hat die Westküste Finnlands bereist.

Wer braucht schon Paris, wenn man Turku hat, lautet ein finnisches Sprichwort. Nicht zufällig steht es auch auf einem Plakat in der historischen Markthalle im Zentrum der historischen Hauptstadt Finnlands zu lesen, einem Ort der puren Lebensfreude. Neben allen denkbaren Herrlichkeiten aus dem Meer und von den Äckern der Region gibt es hier auch Zimtschnecken aus Sauerteig zu kaufen, die Kennern als die besten Finnlands gelten. Gebacken werden sie an einem Ort mit ungewöhnlicher Geschichte: Wo heute Sauerteige reifen, schwitzten einst Finnlands gefährlichste Häftlinge - in der Sauna des Hochsicherheitsgefängnisses von Kakola. Die Backstein-Festung auf einem Hügel über Turku ist heute ein Hotel, das augenzwinkernd auf seine Vergangenheit anspielt. Die originalen erhaltenen Zellen, in denen man auf Wunsch übernachten kann, sollen vor allem bei jungvermählten Paaren sehr beliebt sein.

Weiter nördlich am bottnischen Meerbusen liegt Rauma, dessen Zentrum dann aber doch ein gutes Stück vom Wasser entfernt ist. Durch eine Landhebung von mehreren Millimetern pro Jahr rückt das Meer immer weiter weg von der Altstadt Raumas mit ihren 600 Holzhäusern. Viele davon beherbergen Künstlerateliers, auch die Tradition des Klöppelns wird hier hochgehalten.

Knapp 300 Kilometer weiter im Norden liegt Vaasa. Hier ist die Landhebung so stark, dass man die Stadt nach dem letzten Großbrand gleich sieben Kilometer weiter westlich neu aufbaute. Auch der Schärengarten vor der Küste verändert laufend seine Form. Auf den nach Wacholder duftenden Inseln wird vorwiegend schwedisch gesprochen, ihren Duft kann man auch in flüssiger Form genießen. Als weltbesten Gin füllen ihn die kreativen Brennmeister der Kyrö-Destillerie in Flaschen. Das wichtigste Produkt ist dort aber Whisky, der sein besonderes Aroma - wie könnte es anders sein - einem längeren Aufenthalt in der Sauna verdankt.

Gestaltung: Georg Renöckl

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