George Sand (Ausschnitt einer Zeichnung)

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Gedanken für den Tag

Schreiben angesichts von Revolutionen

Brigitte Schwens-Harrant, Literaturwissenschaftlerin und Feuilletonchefin der Furche, zum 150. Todestag von George Sand

1831 zieht eine junge Frau nach Paris. Dort haben ein Jahr zuvor Handwerker, Arbeiter und Studenten in der sogenannten Julirevolution den Kaiser zum Abdanken gezwungen, der "Bürgerkönig" Louis-Philippe hat übernommen.

Die 1804 geborene Frau hat schon eine eigene Revolution hinter sich. Der Mann, den sie als 18-Jährige geheiratet hat, erweist sich nicht als liebender Gefährte. Sie trennt sich und wird nicht nur um ihre beiden Kinder kämpfen, sondern auch um das Landgut, das sie mit in die Ehe gebracht hat, das aber aufgrund der damaligen Gesetzeslage nun ebenso im Besitz des Mannes ist wie sie und ihre Kinder.

"Ich verlange eine Trennung von Tisch und Bett, die vor Gericht vollzogen wird und die mein Dasein schützt vor Drohungen, Beleidigungen, Schlägen und noch schlimmerer Gefahr", schreibt sie 1835 in einem Brief. Diese Trennung wird ihr gelingen.

Die damalige Institution der Ehe macht Frauen unfrei. Das wird ein wichtiges Thema für die Schriftstellerin. Bereits ihr erster Roman, den sie unter dem männlichen Pseudonym George Sand 1832 veröffentlicht, kann als Plädoyer für eine umfassende Gleichberechtigung der Geschlechter gelesen werden, auch hinsichtlich des Rechts auf Gefühle und Erotik.

Lobende Rezensionen folgen. Aber selbst im Lob wird sichtbar, wogegen die Autorin ankämpfen muss. So wird spekuliert, dass aufgrund der Gefühle nur eine Frau das Werk geschrieben haben könne; andererseits werden der Stil, die Nüchternheit, der analytische Blick nur einem männlichen Talent zugetraut. Deutliche Zuordnungen, was männlich sei, was weiblich sei, die dazu dienen, Frauen zu unterdrücken und klein zu halten: Das ist die Welt, in der George Sand schreibt und gegen die sie anschreibt.

Service

George Sand, "Briefe", aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von Annedore Haberl, München 2003

George Sand, "Manon", Herausgegeben und übersetzt von Elisabeth Edl, München 2025

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Frederic Chopin 1810 - 1849
Album: CHOPIN - WALZER
Titel: Walzer für Klavier in As-Dur op.69 Nr.1 , op. posth.
Populartitel: Abschieds Walzer
Solist/Solistin: Dimitri Alexeev
Länge: 05:03 min
Label: EMI 7475012

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