Radiokolleg

Zwischen Klang und Schrift (1)

Schreiben als Komponieren

Musik und Literatur scheinen auf den ersten Blick klar voneinander zu trennen zu sein: Erstere besteht aus Tönen, letztere aus Buchstaben - so die gängige Annahme. Doch die Möglichkeiten, wie Musik und Literatur in einem Werk aufeinandertreffen und zusammenwirken können, sind vielfältig- sei es in der Vokalmusik, in Opern und Oratorien, in der Programmmusik oder in dadaistischen Lautgedichten. In diesem Radiokolleg stehen jedoch musikalisch-literarische Hybride im Zentrum, bei denen Text und Musik bzw. musikalische Wirkung nicht mehr so eindeutig voneinander zu unterscheiden sind.


Viele Autorinnen und Autoren begreifen ihr Schreiben als Komponieren, als ein Denken in Tönen. Bereits Novalis forderte: "Man muss schriftstellen, wie Componiren", und Arthur Schopenhauer sah in der Musik das Vorbild aller Kunst.
In der Literatur finden sich zahlreiche Beispiele für die Übertragung musikalischer Prinzipien. So kann der Titel auf ein Kompositionsprinzip verweisen (etwa Paul Celans Todesfuge), durch unterschiedliche Stimmen kann ein polyphones Klanggewebe entstehen (wie in Ingeborg Bachmanns Malina) oder ein konkretes Musikstück dient als strukturelles Vorbild (beispielsweise der Beginn von Thomas Bernhards Der Untergeher und Bachs Aria aus den Goldberg-Variationen).
Gestaltung: Katharina Hirschmann, Susanne Hofinger

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