Pro-Hisbollah-Demonstrantinnen in Beirut

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Punkt eins

Die Hisbollah als Hydra

Radikal-schiitische Netzwerke im Libanon und bis Europa. Gäste: Lisa Fellhofer, Direktorin des Österreichischen Fonds zur Dokumentation des religiös motivierten politischen Extremismus & Simon Wolfgang Fuchs, Associate Professor für Islam in Südasien und im Mittleren Osten, Hebräische Universität Jerusalem. Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Die israelischen Angriffe im Libanon haben Anfang der Woche eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach dem Vorrücken im Süden des Landes kündigte die Regierung von Benjamin Netanyahu auch Angriffe in und um die Hauptstadt Beirut an, woraufhin viele Bewohner:innen die Flucht ergriffen. Eigentlich bestünde ein Waffenstillstandsabkommens, das allerdings von der pro-iranischen Schiitenmiliz Hisbollah nicht anerkannt wird - sie greift weiter Ziele in Nordisrael an, während Libanons Regierung, die EU und nun offenbar auch die USA an den Verhandlungstisch drängen. Die Hisbollah wiederum gilt für Israels Regierung als legitimes Ziel, obwohl die Militärschläge auch viele zivile Opfer fordern.

Seit dem Tod des früheren Hisbollah-Chefs Hassan Nasrallah durch einen israelischen Angriff im September 2024 hat Naim Quassem das Kommando, der allerdings als wenig charismatisch gilt und eine stark geschwächte und zunehmend unterversorgte Miliz führen muss. Deren Hochburgen versucht Israel nun offenbar den Todesstoß zu versetzen. Ob das nach 50 Jahren nun gelingt, ist fraglich: Internationale Beobachter:innen haben aber ihre Zweifel, ob die Hisbollah überhaupt militärisch besiegt werden kann. Ihre Basis ist letztlich eine Ideologie, die sich aus radikal islamistischen Positionen und einer revolutionär-schiitischen Haltung sowie nicht zuletzt dem Widerstand gegen Israel speist - eine Haltung, die durch die fortgesetzten israelischen Angriffe eher noch an Zulauf gewinnt. Außerdem betreibt der politische Arm der Hisbollah im Libanon "effektive und ausgedehnte Wohltätigkeitsnetzwerke, die sowohl Muslimen als auch Christen zur Verfügung stehen und stellenweise sogar staatliche Strukturen ersetzen", schreibt die deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Analyse.

Und schließlich verfügt die Organisation, die in mehreren, aber nicht allen europäischen Ländern als Terrororganisation gelistet ist, auch über ein ausgedehntes internationales Netzwerk, das bis nach Europa und auch bis nach Österreich reicht. Eine Studie, die die Dokumentationsstelle politischer Islam (DPI) im April veröffentlicht hat, fand ein weitreichendes Finanzierungsnetz, das unter anderem "im Handel mit Drogen, Kunstwerken und Blutdiamanten sowie im Öl-Schmuggel und in der Geldwäsche" tätig sei; legale und illegale Geschäftspraktiken würden zusammenspielen, Geldflüsse mithilfe von Kryptowährungen verschleiert. In Ländern wie Österreich, wo lediglich der militärische Flügel als terroristisch eingestuft ist, könne der politische Arm ungehindert "Spenden über gemeinnützige oder religiöse Organisationen sammeln", so die DPI.

Xaver Forthuber spricht mit dem Islamwissenschaftler und Schiismus-Experten Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität Jerusalem über die Situation der Hisbollah in der Region und im Kontext des weiter eskalierenden Konflikts im Nahen Osten und mit der Direktorin der Dokumentationsstelle Politischer Islam, Lisa Fellhofer, über die Aktivitäten der radikal-schiitischen Netzwerke vor unserer Haustür. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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