Zwischenruf

Eine Reise, die den Glauben stärkt

von Ursula Fatima Kowanda-Yassin, Islamwissenschaftlerin

Vor kurzem war die Zeit der Pilgerfahrt nach Mekka, die Musliminnen und Muslime einmal im Leben durchführen sollen, wenn sie gesund sind, sie es sich leisten können und nicht durch andere Umstände daran gehindert werden.

Lange Zeit verfolgte ich die Rituale im Fernsehen, den Ruf aus Millionen Kehlen: "Labbayk Allahumma labbayk - für dich bin ich hier, Allah, für dich!" und wünschte mir auch, einmal die Kaaba, eingehüllt in einer Wolke aus hunderten Bittgebeten, zu umrunden.

Voriges Jahr war es dann endlich für mich und meinen Mann so weit. Bereits am Flughafen trugen viele Männer den Ihram, das weiße Tuch, das um den Körper gewickelt wird - ähnlich wie das Tuch, in das Verstorbene gewickelt werden - es erinnert an die Vergänglichkeit des Menschen. Auch bei der Abreise aus dem Hotel in Mekka verwandelte sich die Lobby in eine einzige gewaltige Stimme mit dem Ruf der Pilger: "Labbayk Allahumma labbayk!" Gänsehautmoment, Aufregung war spürbar, wir traten die Reise unseres Lebens an, auf nach Mina, der Zeltstadt und ersten Station! In Mina verbrachten wir die Tage im Gebet in riesigen Zelten.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Arafat, einer großen Ebene, nicht weit von Mekka entfernt, um dort Allahs zu gedenken. Zelte waren aufgestellt, der Berg Arafat ist klein und nicht alle Menschen finden dort Platz.

Eine schöne Begegnung hatte ich dort als der Strom ausfiel und ich den Koran nicht lesen konnte - ich hatte ihn aus Platzgründen auf mein Handy heruntergeladen - doch mein Akku war fast leer. Eine der freiwilligen Helferinnen eilte herbei: "Einen Moment!" Sie verschwand und kehrte mit ihrem Koran mit wunderschönem Einband zurück, drückte ihn mir in die Hand und meinte: "Hier Schwester, du darfst ihn behalten!" Einfach so. Für sie war es eine Freude, dass eine Pilgerin ihren Koran verwendete.

Nachdem wir alle Stationen des Hadsch durchlaufen hatten, ging es wieder zurück nach Mekka, wo wir am Opferfest Geld bezahlten, mit dem ein Schaf für arme Menschen geschlachtet wurde. Männer rasierten sich die Haare, Frauen schnitten eine Strähne ab. Mit dem Tawwaf, der siebenmaligen Umrundung der Kaaba, verabschiedeten wir uns von diesem besonderen Ort in der Hoffnung, irgendwann wieder hierher kommen zu dürfen.

Es gab viele Momente, wo ich eine tiefe Verbundenheit mit Gott und mit den Menschen spürte. Zum Beispiel, als ich vor der Kaaba stand, für viele Gläubige sehr berührend. Dies ist der Ort, an dem laut islamischer Überlieferung alles begann, das erste Haus Gottes, vom Propheten Ibrahim gebaut. Der Ort, zu dem man jedes Gebet ausrichtet und dabei an seinen Schöpfer denkt. Es ist eine ganz besondere Stimmung beim Tawwaf, bei der Umrundung der Kaaba. Ich würde diese Atmosphäre als spürbaren Segen bezeichnen.

Was ich von diesem so einzigartigen Erlebnis mit nach Hause in meinen Alltag genommen habe? Dass der Hadsch eine prägende Erfahrung ist, die auch nach der Heimkehr weiterwirkt, indem man Gutes in die Welt bringt und die Menschen mit einem gemeinsamen Anliegen friedlich miteinander verbindet.

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Hossam Ramzy
Gesamttitel: MUSIC FROM THE ISLAMIC WORLD
Titel: Quanoon at Sunset 2
Länge: 01:36 min
Label: JW media music JW 2133

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