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Auf den Spuren von Hildegard von Bingen

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Wer war Hildegard? Ihre Schriften sind bis heute berühmt, ihre Musik einzigartig, viele Details aus ihrem Leben werfen Fragen auf. Eine Spurensuche in Rheinland-Pfalz und Hessen. Sponheim, Disibodenberg, Aibingen und Bingen. So lauten die vermutlich bekanntesten Stationen der als Hildegard von Bingen bekannten Benediktinerin.

1098 wurde sie geboren. Wo? Das ist nicht eindeutig belegt. Wer die Eltern waren, auch darüber gibt es Vermutungen und Spekulationen. Was man weiß, ist, dass Hildegard im Alter von acht Jahren zur Ausbildung zur Verwandtschaft nach Burg Sponheim kam. Von der Burg sind verwachsene Ruinen und ein gut erhaltener Wehrturm übrig. Von der Aussichtsplattform erkennt man die Klosterkirche von Sponheim, die sich zu Hildegards Lebzeiten im Bau befand. Auch eine Etappe des Hildegard Pilgerweges verbindet die Ortschaften Burg Sponheim und Sponheim. In der Sponheimer Klosterkirche können sich die Hildegard-Lieder akustisch ganz besonders entfalten.

Gemeinsam mit der sechs Jahre älteren Cousine Jutta von Sponheim trat Hildegard im heute etwa elf Kilometer entfernten Kloster Disibodenberg in den Benedektinerinnen-Orden ein. Die Ruinen des Klosters befinden sich unter Schatten spendenden Bäumen und können, wie auch ein kleines Museum am Eingang der parkähnlichen Anlage, besichtigt werden - Dank der Initiative der Mutter der heutigen Bergbesitzerin, die den kulturellen Wert ihres Erbes erkannte und hierfür eine Stiftung initiierte. Im Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseum im nahegelegenen Bad Sobernheim lassen sich die letzten 500 Jahre Geschichte der Region erfassen - aus einer Zeit einige Jahrhunderte nach der Heiligen Hildegard, und doch entsteht ein umfassenderes Bild zur Region rund um die Person.

Die letzte bekannte Station in Hildegards Leben war Eibingen, oberhalb von Rüdesheim am Rhein, auf der gegenüberliegenden Seite von Bingen. Hier gründete sie ihr zweites Kloster. Das mitten in den Weinbergen gelegene Kloster bietet heute noch Seminargästen Platz, ein Café sowie einen Souvenirshop. Und die Restaurierungswerkstatt des Klosters widmet sich der Konservierung von alten Schriftstücken. Von Rüdesheim führt auch eine Seilbahn hinauf in die Weinberge, durch die sich unzählige Wanderwege schlängeln, den Rhein immer im Blick. Die schnellste Verbindung zwischen Rüdesheim und Bingen ist heute die Fähre, die ohne Unterbrechung Autos, Radfahrer und Fußgängerinnen über den Rhein transportiert.

Vom Kloster Rupertsberg in Bingen, das Hildegard Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet hatte, sind nur mehr wenige Bögen übrig, und diese verstecken sich in einem Haus, das vom Museum am Strom in Bingen erworben und für Interessierte zugänglich gemacht wurde, samt Multimedia-Installation. Das Museum am Strom selbst befindet sich direkt am Rhein in einem ehemaligen Elektrizitätswerk. Ein großer Teil der permanenten Ausstellung widmet sich dem Leben und Wirken der Heiligen Hildegard und den vielen offenen Fragen. Nicht zuletzt lässt sich hier die große Bedeutung erfassen, die die Gegend über viele Jahrhunderte dank ihrer verkehrstechnisch hervorragenden Lage am damaligen Verkehrsknotenpunkt, wo die Nahe in den Rhein mündet, hatte.

Gestaltung: Margit Atzler

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