Erwin Schrödinger

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Punkt eins

Schrödingers Erbe: Gleichung, Katze und Skandal

100 Jahre Schrödingergleichung: Zu Leben, Werk und Wirken des Nobelpreisträgers Erwin Schrödinger. Gäste: Dr. Dr. Magdalena Gronau, Chemikerin und Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL) & Univ. Prof. Dr. Gerhard Kirchmair, Institut für Experimentalphysik, Universität Innsbruck und Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Vor 100 Jahren revolutionierte die Schrödingergleichung die Physik und brachte dem österreichischen Physiker Erwin Schrödinger 1933 den Nobelpreis ein. Sein Gedankenexperiment um eine Katze ist heute sprichwörtlich; mit "Katzenzuständen" wird geforscht. Vor einigen Jahren geriet Schrödinger in Verruf, schwerwiegende Anschuldigungen von Pädophilie bis zu wiederholtem sexuellem Missbrauch wurden laut. Was wissen wir heute über den berühmten Physiker, seine Forschungsleistungen und sein Privatleben? Und wieso machen heiße Schrödinger-Katzenzustände der Uni Innsbruck weltweit Schlagzeilen?

"Wenn es bei dieser verdammten Quantenspringerei bleiben soll, so bedaure ich, mich mit der Quantentheorie überhaupt befasst zu haben", notierte Erwin Schrödinger einige Jahre nach seinem großen Durchbruch 1926. Er war bereits vier Jahre Professor an der Universität Zürich, aber noch ohne wissenschaftlich bedeutende Leistung, als ihm der große Wurf glückte. Am 21. Juni 1926 veröffentlichte er in den Annalen der Physik seine vierte und letzte Arbeit zur "Quantisierung als Eigenwertproblem" und stellte darin die zeitabhängige Schrödingergleichung vor.

Schrödingers Wellengleichung erlaubt, die Energieniveaus von Elektronen zu berechnen und entscheidet die Frage, ob Elektronen, Atome und andere Quantenobjekte Wellen oder Teilchen sind: Sie haben Eigenschaften von Wellen oder Teilchen, sind aber weder das eine noch das andere.

Die Folgen dieser Erkenntnis sind weitreichend und gipfeln in der Erkenntnis: Die Beobachtung beeinflusst das zu beobachtende Phänomen. Das wirft bis heute intensiv diskutierte philosophische Fragen auf - wie wirklich ist die Wirklichkeit? - und mündete in Schrödingers Katze, jenem berühmten Gedankenexperiment, mit dem sich der Physiker eigentlich lustig machen wollte über die Interpretationen des Quantenformalismus. Auch darüber herrscht bis heute keine wissenschaftliche Einigkeit.

Mit Schrödinger-Katzenzuständen wird heute intensiv geforscht. Der Begriff beschreibt eines der zahlreichen faszinierenden Phänomene der Quantenphysik, bei dem ein Quantenobjekt gleichzeitig in zwei verschiedenen Zuständen existiert. Doch das erfordert für gewöhnlich spezielle Laborbedingungen wie eine starke Kühlung. Gerhard Kirchmair von der Universität Innsbruck ist es im vergangenen Jahr gelungen, solche Quanteneffekte auch im "heißen" Zustand zu erzeugen, in einer weniger idealen Umgebung. Das könnte die Entwicklung von Quantentechnologien weiter voranbringen.

Schrödingers Katze und seine Wellengleichung sind also nach wie vor relevant; sein Erbe bekam in den letzten Jahren allerdings massive Risse: 1961 starb der vielfach ausgezeichnete Physiker; 2021 wurden Vorwürfe gegen ihn erhoben, die seinen Ruf erheblich beschädigten. In internationalen Medien und akademischen Kreisen wurden intensive Debatten geführt, doch klärende Quellen wie der private Nachlass, 2020 von Schrödingers Enkel Leonhard Braunizer dem Brenner-Archiv der Universität Innsbruck übergeben, waren nicht zugänglich; die Familie hatte den Nachlass sperren lassen.

2024 bekamen Magdalena Gronau, Chemikerin und Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung, sowie ihr Mann Martin Gronau, Historiker, beide vom Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin, Zugang zu dem Nachlass und haben ihn in einer umfangreichen Studie analysiert und ausgewertet, die Genese des Skandals um Schrödinger aufgearbeitet.

Aus Anlass von 100-Jahre-Schrödingergleichung sprechen Magdalena Gronau und Gerhard Kirchmair als Gäste bei Barbara Zeithammer in Punkt eins über Leben, Werk und Wirken Erwin Schrödingers und Sie, unsere Hörerinnen und Hörer, sind wie immer herzlich eingeladen, Ihre Fragen zu stellen: Unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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  • Barbara Zeithammer