Foto: Gerhard Rühm

APA/Eva Manhart

Blaue Stunde

Verteidigung der Menschenrechte

wort für wort - totale rezitation der allgemeinen erklärung der menschenrechte
ein projekt von gerhard rühm

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen."

So beginnt die 1948 verfasste "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte". Am 22. Februar 2025 haben mehr als 1.000 Menschen vor dem Portal des Wiener Volkstheaters alle 30 Artikel Wort für Wort klar und laut in ein Mikrofon gesprochen. Pro Person ein Wort. Diese Worte waren mit Hilfe eines Lautsprechersystems im Umfeld hörbar.

Das Konzept für diese Intervention im öffentlichen Raum stammte von Gerhard Rühm, dem Mitbegründer der Wiener Gruppe und Grandseigneur der österreichischen Kunst. Gerhard Rühm arbeitet trotz seines hohen Alters von 96 Jahren unermüdlich und ist omnipräsent.

Gerhard Rühm, geboren 1930 in Wien, studierte Klavier und Komposition an der Wiener Musikakademie. Mitte der Fünfzigerjahre war er Mitbegründer der Wiener Gruppe, 1952 schrieb er erste Lautgedichte. Rühm hat sich seit Beginn seiner literarischen Tätigkeit vor allem für die dichterischen Grenzbereiche interessiert.

In einem Interview aus dem Jahr 2008 für das "Ö1 Kunstradio" meint der Dichtermeister: "Wenn man sich intensiv mit Sprache beschäftigt, und zwar nicht mit der Sprache nur als bloße Mitteilung, sondern mit der Sprache als Material, dann kommt man bei geschriebener Sprache automatisch in den Bereich der bildenden Kunst und bei gesprochener Sprache automatisch in einen Zwischenbereich zur Musik."

Das Radio dachte Rühm als einer der prominentesten österreichischen Vertreter radiofoner Poesie schon bei früheren Arbeiten mit. So ist es kein Wunder, dass die radiofone Übersetzung der mehrstündigen Kunstaktion "wort für wort" nun auf Ö1 uraufgeführt wird.

Aus der Kooperation mit dem Volkstheater Wien hat der Kunstverein TONSPUR und sein künstlerischer Leiter Georg Weckwerth gemeinsam mit ORF-Tonmeister Martin Leitner in der Regie von Gerhard Rühm aus den Tonaufnahmen der Wortspenden der performativen Intervention "wort für wort - totale rezitation der allgemeinen erklärung der menschenrechte" eine Radiofassung für Ö1 entwickelt. Die Weltpremiere der Arbeit wird als 8-Kanal-Soundinstallation an einem so bedeutenden und historisch aufgeladenen Ort wie dem Heldenplatz vor dem Weltmuseum Wien von 13. bis 30. August präsentiert und wird dort täglich im Loop zu hören sein.

Der Heldenplatz ist bewusst gewählt. Als einer der berühmtesten Plätze des Landes und zentraler Ort österreichischer Erinnerungskultur bietet dieser Platz den angemessenen und würdigen Rahmen für die Präsentation eines künstlerischen Konzepts, das unter Mitwirkung vieler Menschen umgesetzt wurde. Nicht ein Künstler wird in der Installation "wort für wort" repräsentiert, sondern wir als Menschen, mit unseren demokratischen Werten, die es mehr denn je zu verteidigen gilt.

Service

"wort für wort - totale rezitation der allgemeinen erklärung der menschenrechte ein projekt von gerhard rühm" ist eine Produktion von TONSPUR Kunstverein Wien in Zusammenarbeit mit Ö1 "Blaue Stunde".

Ermöglicht von Kunst im öffentlichen Raum Wien. Gefördert von Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport. Unterstützt von Weltmuseum Wien und Burghauptmannschaft Österreich.

WORT FÜR WORT
Installation

Sendereihe

Gestaltung

  • Hans Groiss