Radiokolleg

Zwischen Mensch und Maschine - Musik und KI (1)

Ist KI kreativ?

Ein Song, der vertraut klingt, taucht in einer Playlist auf und hat doch keinen menschlichen Urheber; eine Stimme, die es so nie gegeben hat, singt und wirkt glaubwürdig; KI-generierte Titel bewegen sich mittlerweile in denselben Kanälen - und steht auch in Streams und Charts neben Musik, die von Menschen gemacht wurde. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Musik gewandelt: Die "smarten" Systeme komponieren, imitieren Stimmen und erzeugen komplette Songs in Sekunden. Was vor nicht mal fünf Jahren noch als Experiment oder Provokation galt, ist inzwischen Teil des Musikmarkts, der Charts und der Produktionsrealität. Damit stellt sich nicht nur die Frage nach Kreativität neu, sondern auch nach Autorenschaft, Originalität und Wert.

Künstliche Intelligenz stellt unser Verständnis von Kreativität heute nicht mehr nur theoretisch in Frage. Systeme sind inzwischen in der Lage, Musik zu erzeugen, die nicht nur stilistisch überzeugt, sondern auch emotional anschlussfähig ist. Für Hörerinnen und Hörer wird es zunehmend schwieriger, zwischen menschlich komponierter und maschinell erzeugter Musik zu unterscheiden. Aber reicht es, wenn ein Werk als originell oder sogar berührend wahrgenommen wird? Die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz in der Musik führt zu einer alten Frage zurück: Woran messen wir Kreativität und was genau meinen wir, wenn wir von Kreativität sprechen?

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  • Sarah Kriesche