Gedenkkerzen vor der Schule in Taufkirchen an der Pram

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Punkt eins

Femizide in Österreich: Wie reagiert die Politik?

Nationaler Aktionsplan, mehr Budget - was politisch gegen Gewalt an Frauen getan wird. Gast: Christina Riezler, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der Gewaltschutzzentren Österreichs, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Salzburg. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Schock, Trauer, Fassungslosigkeit, ein schwarzer Tag. Mit diesen Worten wird versucht, die Gefühlslage in der oberösterreichischen Gemeinde Taufkirchen an der Pram mit knapp 3.000 Einwohner:innen zu beschreiben. Am 12. Juni ermordete ein 29-jähriger Lehrer seine 28-jährige Kollegin in der Schulbibliothek der Mittelschule. Danach beging er Suizid. Es ist der 14. Femizid in diesem Jahr. Ein Mord an einer Frau, weil sie eine Frau ist. Die Täter kamen allesamt aus dem persönlichen Umfeld: der Ehemann, der Ex-Partner, der Vater, und, wie im Fall von Taufkirchen, der Kollege.

"Man liest es in der Zeitung, man hört es jeden Tag im Fernsehen und im Radio, aber man denkt nicht, dass es in der Nähe passiert", sagte der Bürgermeister Paul Freund im ORF-Interview. Beinahe täglich ist von schweren Gewalttaten gegen Frauen zu lesen: Am Sonntag griff ein 42-jähriger Steirer seine Partnerin und ihren Sohn mit einem Messer an. Mutter und Kind konnten schwer verletzt aus dem Haus flüchten. Der Mann verletzte sich selbst lebensgefährlich. Vergangenen Mittwoch zeigte eine Frau in Wels ihren Freund bei der Polizei an. Er soll sie tagelang in der Wohnung eingesperrt, sie bedroht und misshandelt haben. Ebenso vergangene Woche soll ein 62-jähriger Niederösterreicher seine Ehefrau mit dem Messer attackiert haben. Gegen ihn wird wegen Mordversuchs ermittelt. Der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) listet auf seiner Website für das heurige Jahr 34 Fälle von schwerer Gewalt auf (Stand: 13. Juni 2026).

In den Online-Foren und Kommentaren auf Social Media ist vor allem eine Frage zu lesen: Was ist da los? Gefolgt von Forderungen nach mehr Opferschutz, mehr gesellschaftlicher Aufklärung und Appellen an die Politik "endlich" zu handeln.

"Wir lassen Frauen gerade in unsicheren Zeiten nicht allein", sagte Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ), als sie Mitte Juni das "Rekord-Frauenbudget" der Regierung präsentierte. Jeweils 55 Millionen Euro wird das Frauenressort 2027 und 2028 vor allem in Frauen- und Mädchenberatungsstellen, die Gleichbehandlungsanwaltschaft und -kommission sowie in den Gewaltschutz investieren. Gewaltschutzzentren bekommen zusätzliches Geld, die Gewaltambulanzen sollen ausgebaut werden.

Als Grundlage für die Maßnahmen dient der Nationale Aktionsplan zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, den der Ministerrat im November 2025 beschloss. Die Ressorts, von Frauen, Bildung, Wissenschaft, Arbeit und Wirtschaft, Justiz, Inneres bis zu Gesundheit, verpflichten sich zu dessen Umsetzung bis 2029. "Die gesamte Bundesregierung bekennt sich klar zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen und Mädchen", heißt es. An der Ausarbeitung des Maßnahmenkatalogs waren mehr als 250 Vertreter:innen aus der Praxis und Wissenschaft beteiligt. Darunter die Gewaltschutzzentren, die einige ihrer Forderungen in dem Aktionsplan enthalten sehen, u.a., dass ältere Frauen, Migrantinnen und Frauen mit Behinderungen besser erreicht und unterstützt werden sollen. Positiv sei auch, dass das Bildungsressort eingebunden ist, da es nicht nur darum gehe, Gesetze zu ändern, sondern die gesellschaftliche Haltung. "Der Erfolg des Aktionsplans wird an der Umsetzung gemessen", heißt es vom Bundesverband der Gewaltschutzzentren, der im Jänner ein 200-seitiges Dokument mit weiteren Forderungen und Reformvorschlägen veröffentlichte. Unter anderem spricht er sich gegen den privaten Besitz von Waffen aus.

Was wird auf politischer Ebene konkret für Gewaltprävention und -schutz getan? Kommen die Ankündigungen auch in der Praxis an? Was berichten Frauen, die in den Beratungseinrichtungen Hilfe suchen? Wie kommen sie aus Gewalt-Beziehungen heraus? Welche Erfahrungen gibt es mit der Täter-Arbeit? Was muss passieren, damit der Appell an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung nicht nur eine Floskel bleibt?

Darüber spricht Marina Wetzlmaier mit Christina Riezler, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Salzburg und stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands.

Hörerinnen und Hörer sind wie immer eingeladen mitzudiskutieren, gerne auch anonym. Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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