Spielräume
Stille Erzählungen, dunkle Sonette
Musik aus allen Richtungen mit Albert Hosp. Neue Alben der kurdischen Sängerin Sakîna Têyna und des belgischen Lorca-Projektes "Sonetos del Amor Oscuro"
23. Juni 2026, 17:30
Eine prägnante, ausdrucksvolle Stimme und ein ausgefeiltes Arrangement, das bei aller Freude am Detail genügend Raum für Spontaneität bereithält. Ein warmer Instrumentalklang, geprägt von Streichinstrumenten und vor allem der akustischen Gitarre. Lieder voll schmerzlicher, aber auch kämpferischer und lebensbejahender Intensität.
All das lässt sich sowohl über das Album "Sûret" der kurdischen Sängerin Sakîna Têyna als auch über die beiden CDs des Projektes "Sonetos del Amor Oscuro" sagen. Letzteres präsentiert Vertonungen ausgewählter Gedichte von Federico Garcia Lorca, vorgelegt von der belgisch-brasilianischen Sängerin Helena Casella und dem ebenfalls in Belgien wohnhaften Gitarristen Myrddin De Cauter.
Auch Sakîna Têyna hat einen profilierten Gitarristen als Arrangeur und musikalischen Leiter zur Seite: Mahan Mirarab, mit dem sie unter anderem beim gerade zu Ende gegangenen "NAWA"-Festival in Wien auftrat.
Kurdistan sei das Land der spurlos Verschwundenen und des verfrühten Abschieds, schreibt Sakîna Têyna sinngemäß im CD-Booklet von "Sûret" (das Wort steht für "Bild", aber auch "Foto" oder "Antlitz"). Die Lieder kreisen genau um diese Themen, zu denen Têyna selbst Texte verfasst sowie auch Gedichte des kurdischen Poeten Wirya Mamle vertont hat.
Lorcas Texte wiederum erzählen von unerfüllter Liebe und versteckter Leidenschaft. Helena Casella und Myrddin De Cauter setzen diese - schon von sich aus singende - Poesie sehr schlicht um, unmaniriert und gerade dadurch ergreifend.
