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Punkt eins
"Jetzt ein kühles Bier"
Bier als Wirtschaftsfaktor, Kulturgut und Lebensmittel. Gast: Hannes Royer, Landwirt, Gründer und Obmann der Initiative "Land schafft Leben". Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
24. Juni 2026, 13:00
Ein heißer Sommer und eine spannende Fußball-WM: Diese Faktoren sorgen für gute Stimmung und neue Hoffnung in der Bierwirtschaft, deren Aussichten in letzter Zeit eher trüb waren. Im zuletzt erfassten Wirtschaftsjahr 2024/25 sank der Bierkonsum in Österreich um gut fünf Liter auf durchschnittlich 97,6 Liter pro Kopf. Die heimische Bierproduktion und die Bierexporte gingen ebenfalls um rund fünf Prozent auf 9,5 Millionen bzw. 1,5 Millionen Hektoliter zurück.
Marktführer in Österreich ist die zu Heineken gehörende Brau Union Österreich AG, die mit einigen der bekanntesten Biermarken rund zwei Drittel des heimischen Absatzes auf sich vereint. Gegen den Konzern läuft derzeit ein Kartellverfahren, in dem geklärt werden soll, ob Lieferfirmen unter Druck gesetzt wurden, um eine Bevorzugung zu erreichen. Neben dem internationalen Riesen positionieren sich seit einigen Jahren die "Privatbrauereien" demonstrativ als unabhängige, österreichische Anbieter; mittlerweile ist die Zahl der teilnehmenden Betriebe auf 48 gewachsen. Nach wie vor aktiv ist auch die "Microbrewery"-Szene von kleinen, alternativen Startups; von einem "Boom" des Craft-Beer wie vor rund zehn Jahren kann allerdings mittlerweile keine Rede mehr sein, viele der Liebhaber:innen und Pionier:innen von damals mussten mittlerweile wieder schließen.
Allen Bieren gemeinsam ist, dass sie seit heuer wieder etwas mehr kosten; zum Jahreswechsel erhöhte die Brau Union Österreich ihre Bierpreise um etwas mehr als drei Prozent; die Privatbrauereien zogen kurz darauf nach und verwiesen auf gestiegene Personal- sowie anhaltend hohe Energiekosten. Bei der Produktion von Dosenbier gab es überhaupt einen "massiven" Einbruch von rund einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr; hauptverantwortlich dafür scheint die gleichzeitige Einführung des Einwegpfands, aber auch die generelle Konsumzurückhaltung aufgrund der Teuerung und ein "verändertes Konsumverhalten" in Richtung eines gesundheitsbewussteren Lebensstils werden ins Treffen geführt. Gleichzeitig heißt es, die Bierkonsument:innen würden in letzter Zeit ohnehin verstärkt zu höherwertigen Produkten greifen. Und auch sonst ändern sich die Gewohnheiten: Große Brauereien sprechen inzwischen von alkoholfreien Bieren sowie anderen Getränken und "Erfrischungsdrinks" abseits des "klassischen" Bieres als "Wachstumstreiber".
Bier ist aber nicht nur ein Wirtschaftsfaktor - es ist ein fester Bestandteil der kulinarischen Kultur und nicht zuletzt auch ein landwirtschaftliches Produkt: "Wir können hier etwas quasi direkt vom Acker trinken", sagt Hannes Royer, Landwirt aus Schladming (Stmk) sowie Gründer und Obmann der Initiative "Land schafft Leben". Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, umfassend und unabhängig über die ganze Wertschöpfungskette der heimischen Lebensmittelproduktion zu informieren.
Wenn Xaver Forthuber mit Hannes Royer und unseren Hörer:innen über Bier redet, geht es also um die Rohstoffe - Wasser, Gerste, Hopfen, ihre Qualität, ihre Verarbeitung, ihre Zukunft im sich verändernden Klima - sowie um Produktion und Globalisierung, um Vertrieb und Vermarktung, um die perfekte Außentemperatur für ein kühles Bier und nicht zuletzt auch um (verantwortungsvollen) Genuss und den Bier-Geschmack der Österreicher:innen.
Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
Sendereihe
Gestaltung
- Xaver Forthuber
