Stimmen hören
Ein "Mazeppa" aus weiblicher Hand
Clémence de Grandval und ihr musikalisches Umfeld
25. Juni 2026, 14:05
Die Wiederentdeckung "vergessener" Komponistinnen der Vergangenheit hat Fahrt aufgenommen. Dabei stellt sich heraus, dass nicht wenige von ihnen ja doch schon im 19. Jahrhundert auch die männliche Dominanz im Opern-Verfassen infrage gestellt haben. Wenn dann auch noch ein Werk größter Dimension, in hochromantisch-leidenschaftlichem Tonfall und zudem auf einen aus der "Männerwelt" bereits bekannten Stoff ans Tageslicht kommt, ist mindestens das publizistische Interesse groß. So geschehen, als beim Bayerischen Rundfunk der "Mazeppa" mit Musik von Clémence de Grandval (wohl 1830-1907) wieder zum Erklingen gebracht wurde, schön besetzt mit Nicole Car, Julien Dran und Tassis Christoyannis. Einige Jahre nach dem ebenfalls um den Kosaken-General kreisenden "Mazeppa" von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky wurde die Oper von de Grandval 1892 uraufgeführt und mit ihrer saftigen Dreiecksgeschichte und den einfahrenden Chören heftigst akklamiert - wie so vieles aus der Feder der Musikerin, die unter anderem bei Frédéric Chopin und Camille Saint-Saens in die Lehre gegangen war und von Hector Berlioz geschätzt wurde. Clémence de Grandval und Saint-Saens waren ein- und dieselbe Generation - was brachte er etwa zu dieser Zeit auf die Bühne? Eine "Proserpine", mit dramatisch und bilderreich ausgemaltem Kurtisanen-Schicksal, eine "Phryné" als kecke opéra comique - beides Stücke, die mit der oratorienhaften Statuarik von Saint-Saens' "Samson et Dalila" nichts gemeinsam haben. Jules Massenet hingegen bewegte sich in den 1890ern auf "veristischen" Pfaden, mit "La Navarraise".
Sendereihe
Gestaltung
- Chris Tina Tengel
