Ingeborg Bachmann um 1960

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Gedanken für den Tag

Ingeborg Bachmann und der Schmerz

Cornelius Hell, Literaturkritiker und Übersetzer, zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann

"Das Leben ist eine ungeheuerliche Kränkung." Je mehr ich über Ingeborg Bachmann weiß, umso besser kann ich diesen Satz von ihr verstehen. "Von heute aus betrachtet, ist es der Mut, im Schreiben und im Leben bis zum Äußersten zu gehen, der diese Schriftstellerin so einmalig macht", schreibt Andrea Stoll am Beginn ihrer Bachmann-Biografie mit dem Titel "Zwei Menschen sind in mir".

Ingeborg Bachmann wurde heute vor 100 Jahren in Klagenfurt geboren. Sie hatte die Nachwirkungen des Nationalsozialismus genau im Blick und bekam sie im kulturellen Milieu Wiens in der Nachkriegszeit auch selbst zu spüren; zusätzlich musste sie sich damit auseinandersetzen, dass ihr innig geliebter Vater ein begeisterter Nationalsozialist war. Und Ingeborg Bachmann war eine leidenschaftliche Liebende.

Margarethe von Trottas Film "Ingeborg Bachmann - Reise in die Wüste" beleuchtet ihre verzweifelte Liebe zu Max Frisch, "Die Geträumten" von Ruth Beckermann zeigt sie in ihrer tragischen Lebensliebe zu Paul Celan. Ihre Person erweckt noch immer große Aufmerksamkeit, nicht zuletzt deswegen, weil sie einerseits Literatur und Privatleben strikt trennen wollte, andrerseits aber auch mit den Inszenierungen ihres Privatlebens zu spielen verstand.

Heute weiß man auch ziemlich genau über ihre jahrelange Medikamentensucht Bescheid, die sie zerstört und letztlich auch zu ihrem Tod geführt hat: Sie hatte kein Schmerzempfinden mehr und daher ihre Verbrennungen durch Zigaretten nicht mehr gespürt.

Ich denke immer wieder an Ingeborg Bachmanns Gedicht "Wahrlich", das sie der russischen Dichterin Anna Achmatowa gewidmet hat. "Einen einzigen Satz haltbar zu machen, / auszuhalten in dem Bimbam von Worten" - das formuliert sie als Ziel der Dichtung. Darauf folgen die Verszeilen: "Es schreibt diesen Satz keiner, / der nicht unterschreibt." Ingeborg Bachmann hat zweifellos unterschrieben - mit ihrem Leben.

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Playlist

Komponist/Komponistin: Kyrre Kvam
Gesamttitel: ALTES GELD
Titel: Altes Geld - Der Mensch im Tier
Ausführende: Kyrre Kvam
Länge: 04:00 min
Label: ORF-Enterprise Musikverlag

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