Diagonal

Omi, Oma, Omama. Diagonal über die Erfindung der Großmutter

Wie eine Großmutter zu sein hat, weiß scheinbar jedes Kind: weißes Haar, weiche Stimme, unendliche Geduld - und immer Zeit für Guglhupf und Märchen. Dabei sehen die Omas von heute oft ganz anders aus: in Jeans und Turnschuhen, berufstätig und politisch engagiert. Anschl.: Diagonals Feiner Musiksalon

Tatsächlich ist die Großmutter, wie wir sie kennen, eine vergleichsweise junge Erscheinung. Lange Zeit hatten Großeltern kaum eine besondere gesellschaftliche Rolle und nur wenige Menschen erlebten überhaupt ihre Enkel. Erst im 18. Jahrhundert entsteht das bis heute prägende Bild der Großmutter als Inbegriff von Fürsorge und familiärer Nähe - eine Aufwertung, die zugleich klare Erwartungen und Zuschreibungen mit sich bringt.

Auch aus evolutionsbiologischer Perspektive wird die Rolle der Großmutter diskutiert. Der US-amerikanische Biologe George Williams brachte 1957 die sogenannte Großmutter-Hypothese ins Spiel. Demnach könnte die Menopause einen evolutionären Vorteil darstellen. Ältere Frauen unterstützen nach ihrer fruchtbaren Phase bei der Betreuung der Enkelkinder und tragen so potentiell zu deren Überleben bei.

Die Vorstellung der Oma als liebevolle Bezugsperson, als Hüterin von Erinnerungen und als moralische Instanz ist damit alles andere als naturgegeben, sondern geprägt von gesellschaftlichen Rollenbildern und historischen Umbrüchen. Sie steht auch für die Frage, wie Generationen miteinander leben, was weitergegeben wird und wer im Hintergrund bleibt. Diagonal nähert sich der Großmutter zwischen Klischee und Wirklichkeit.

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Sendereihe

Gestaltung

  • Hannah Balber