Radiokolleg
Gipfelstürmer - Ideologie im Gepäck
Der Berg und der Sozialismus
30. Juni 2026, 09:05
Das Bergwandern war im 19. Jahrhundert nur Bergsteigern aus dem Bürgertum im Deutschen und Österreichischen Alpenverein (DÖAV) vorbehalten. Adelige versperrten den Zugang zu ihren Jagdgebieten.
Mit der Gründung des Touristenvereins "Die Naturfreunde" 1895 und der Errichtung eigener Hütten sollte die Arbeiterklasse nun die Möglichkeit zum Wandern bekommen. Es war ein erklärtes Ziel der Sozialdemokratie durch den Gang in die Natur aus "Arbeitstieren" wieder Arbeitsmenschen zu machen. Die organisierte Naturbegegnung - großangelegte Wanderausflüge mit Sonderzügen - diente aber auch der Arbeiterbildung. "Das Spezifische in Österreich ist, dass es prominente Parteimitglieder wie Karl Seitz oder Karl Renner in der Naturfreunde Bewegung engagiert waren und die Anliegen der Naturfreunde vertreten haben", sagt der Politikwissenschafter Günther Sandner. Karl Renner, der erste Bundespräsident der Zweiten Republik, entwarf das bis heute bestehende Logo mit dem Symbol des Handschlags und den drei Alpenrosen.
