APA-IMAGES/SCIENCE PHOTO LIBRARY
Radiokolleg
Insektenmonitoring in Österreich
Ein weiterer Eintrag in das Ö1 Insektarium
27. Mai 2026, 16:39
Zu den Sendungen
01 06 2026 | Radiokolleg
Neue Arten, neue Gefahren?
02 06 2026 | Radiokolleg
Auf der Jagd nach Larven
03 06 2026 |Radiokolleg
Unter dem Miktoskop
Ö1 Insektarium - Weitere Sendungen zum Nachhören
Unter dem Stereomikroskop im Department für Funktionelle und Evolutionäre Ökologie der Universität Wien liegen bräunlich gefärbte, fast durchsichtige Tierchen. Ihr Kopf eine nicht einmal stecknadelkopfgroße Kugel, der Leib wie ein Stäbchen und am Hinterleib, wie ein Dorn - das nach oben gebogene Atemrohr, mit dem sie sich an die Wasseroberfläche hängen. Durch den hohlen Körperfortsatz strömt Luft zu den Tieren.
Die winzigen Lebewesen sind Insektenlarven, die sich nach Abschluss dieser Entwicklungsphase mit ihren neu gewachsenen Flügeln als Gelsen in die Luft erheben. Im Frühling und Sommer sind Tümpel, Teiche, Uferbereiche von Seen, aber auch Regentonnen, Blumentopf-Untertassen, Vogeltränken und alles, worin sich Wasser sammelt, von dieser wimmelnden Masse bevölkert. "Masse"ist in diesem Zusammenhang nicht falsch, denn die Larven und auch das davorliegende Entwicklungsstadium, die Eigelege, sind eine wichtige Biomasse. Sie dienen als Nahrung für Raubinsekten wie Libellen, für die Singvogelbrut, Fische, Reptilien und Amphibien.
Sammeln von Daten
Insekten, ihre Eier und Larven sind ein unverzichtbarer Teil der Fauna, für uns Menschen aber manchmal unangenehm. Denn manche Insekten sind Parasiten. Am bekanntesten ist die Gelse. Sie braucht für die Fortpflanzung eine Blutmahlzeit. Mit dem Eiweiß, das sie durch ihren Rüssel von Vögeln, Amphibien, Säugetieren und Menschen aufnimmt, werden Eier gebildet, die die Weibchen in das Wasser ablegen. Da die Insekten stechen und so in Kontakt mit dem Blutkreislauf kommen, können sie Krankheitserreger aufnehmen und übertragen.
Um einen Überblick über die Insektenpopulation zu bekommen, sammeln Insektenforscherinnen und Insektenforscher in ganz Österreich Eier, Larven und adulte Insekten. Sie nehmen Wasserproben, auch aus den grünen Bewässerungssäcken, die in Wien um die Stämme junger Bäume gelegt werden, damit diese ausreichend Wasser bekommen. In diesen Säcken kann sich Wasser sammeln, in dem Insekten ihre Eier ablegen. Dies ist ein nicht geplanter Nebeneffekt der Bewässerungsstrategie der Stadtgärten.
Tigermücke wandert ein
Außerdem stellt man mobile Fallen auf, in denen Insekten durch CO2 angelockt und mit einem Ventilator in das Innere gesaugt werden. Nach 24 Stunden sammelt man die Fallen ein, entnimmt die Insekten und bestimmt sie im Labor unter dem Mikroskop. Nach Auswertung, Zählung und Zusammenführung der Daten ergibt sich ein Überblick über die Insektenpopulation, Artenvielfalt und mögliche Gefahren.
Forscherinnen und Forscher erkennen, ob es Neuzuwanderer gibt, und darunter Insekten, die potenziell gefährliche Krankheiten wie das Westnilvirus, Malaria oder das Zikavirus übertragen können. Denn durch den Klimawandel hat sich die Insektenpopulation auch in Österreich bereits stark verändert. Neue Arten wie die Tigermücke kommen aus Asien zu uns und können aufgrund der milden Winter hier überleben und sich fortpflanzen.
Mitmachen
Das Insektenmonitoring wird in Zusammenarbeit der Universitäten für Veterinärmedizin und Bodenkultur, der Agentur für Ernährungssicherheit AGES, der WasserCluster Lunz GmbH und der Universität Wien durchgeführt. Außerdem gibt es im Auftrag des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) das City Invaders Project sowie das Citizen-Science-Projekt "Mosquito Alert", bei dem jede:r Fotos von Stechmücken hochladen kann. Damit unterstützt man die Gesundheitsbehörden, um eventuelle Krankheitsfälle vorhersehen zu können.
Gestaltung
- Sabine NIkolay
