Menschenbilder

Hermann Beil zum 85. Geburtstag

Theatermacher, Theaternarr und Tortenbäcker

Dem Theaterregisseur George Tabori hat er zum 92. Geburtstag 92 Torten gebacken: Mandeltorte à la Marcel Proust - doch in der Wiener Variante.

Das erzählt schon viel über Hermann Beil. Einen "Theatermacher", der das Theaterleben im deutschsprachigen Raum über Jahrzehnte mitgeprägt hat. Als Dramaturg oft im Hintergrund tätig, stand er auch manchmal in der ersten Reihe und wurde Ziel von Angriffen. Als er 1986 mit Claus Peymann als dessen Co-Direktor ans Wiener Burgtheater wechselte, entzündete sich die Aufregung rund um den neuen Direktor und sein Ensemble auch an der vermeintlichen Tatsache, hier würden nun ausschließlich Deutsche das Wiener Burgtheater beherrschen. Einem bekannten Schauspieler, der dies sogar in einem Buch behauptete, hielt Hermann Beil daraufhin seinen österreichischen Pass unter die Nase.

Hermann Beil ist 1941 in Wien geboren, wo er bis zum 12. Lebensjahr lebte. Seine Jugend verbrachte er in Deutschland, wo er Germanistik und Musik studierte. In Frankfurt am Main begann er 1965 als Dramaturgie-Assistent, in Basel wirkte er bis 1974 bereits als Chefdramaturg - wobei er das Wort "Chef" nicht leiden kann, wie er betont.

Stuttgart (bereits mit Peymann), Zürich, Bochum und ab 1986 eben Wien waren weitere Stationen. Hier arbeitete Hermann Beil mit Autoren wie Peter Handke und Thomas Bernhard, und er verantwortete aufsehenerregende Inszenierungen wie Bernhards "Heldenplatz". Die Beziehung zu Thomas Bernhard hat er freundlich in Erinnerung, den Autor selbst als hilfsbereit. Ansonsten verlief die Zeit am Wiener Burgtheater nicht immer friktionsfrei. Als Dramaturg hat Hermann Beil gestaltet - und als Tortenbäcker manchmal auch vermittelt. Mit seiner stillen, freundlichen Art galt er als wandelnder Gegenpol des konfliktbereiten Direktors Claus Peymann: seinen beruflichen Lebensmenschen, den er nach dessen Tod im Juli 2025 eigentlich nicht vermisse - denn Peymann sei irgendwie immer noch da, in Gesprächen, in Erinnerungen, überall, wo Theater ist.

Das Wiener Publikum hat die beiden "Deutschen", den echten und den vermeintlichen, später lieben gelernt. So wurde Thomas Bernhards Dramolett "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen", gespielt von Claus Peymann und Hermann Beil, zum Publikumsrenner. Die Erinnerung an die darin verzehrten Riesenschnitzel ist heute noch lebendig.

Zu seinem heutigen 85. Geburtstag bringen die "Menschenbilder" also ein auch durchaus kulinarisches Porträt des Theatermenschen - dem 1999 bereits ein erstes Porträt dieser Sendereihe gewidmet war. Im Vierteljahrhundert seither scheint in seinem Leben aber zu viel geschehen, um diese Sendung lediglich zu wiederholen.

So besuchen die "Menschenbilder" Hermann Beil in seiner Wahlheimat Berlin - ein Besuch bei einem gebürtigen Wiener, dem man, apropos, das Wienerische erst bei genauem Zuhören anhört. Das Wort "Kaffee" spricht er selbstverständlich mit Betonung auf dem zweiten Vokal aus. Alles andere wäre ein Sakrileg, wie er sagt.

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