Radiokolleg
Gipfelstürmer - Ideologie im Gepäck (4)
Der Berg und der Neoliberalismus
2. Juli 2026, 09:05
"... das Bild vom Südsattel des Everest heute - die leeren Sauerstoffflaschen, die wie mit Leuchtfarben angestrichene Bomben aufeinandergestapelt sind. Dazu die Gerippe zerbrochener Zelt-Gestänge und der zerfetzte, knallbunte Stoff der Zelte, der wie Gebetsfahnen im Wind flattert. Es ähnelt einem Schlachtfeld", schreibt Robert Mc Farlane in seinem Buch "Berge im Kopf". "Der Everest ist der größte aller Berge im Kopf. Kein Berg hat die Vorstellungskraft stärker beschäftigt als er". Verschwindet der mythische Ort hinter dem Massentourismus? Traut sich heute schon jeder den Gipfelsieg zu? Das Hochgebirge wird aber auch nicht mehr als gefährliches Terrain erkannt, die eigenen Fähigkeiten werden falsch eingeschätzt. Das belegen auch die Zahlen aus den Alpen: 2024 verunfallten 14.000 Menschen in den österreichischen Alpen, 309 Personen starben. 60% der Alpinunfälle passieren im Winter, hier vor Allem beim Skifahren und Tourengehen. Im Sommer sind die meisten Toten und Verletzten beim Wandern zu beklagen. Erst mit großem Abstand folgen Mountainbiking und Klettern. Laut Experten gibt es mehrere Gründe für die steigende Anzahl an Alpinunfällen: Selbstüberschätzung und Leichtsinn, mangelnde Vorbereitung, schlechte Ausrüstung bis hin zu unvorhersehbaren Naturereignissen. Es gab auch noch nie zuvor so viele Lawinentote. Die Bergretter haben mehr denn je zu tun. Viele Bergretter beklagen sich über die zunehmende "Vollkaskomentalität" der Geretteten, nach dem Motto: Ihr müsst mich ja retten!
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- Andreas Wolf
