Niederländische und Polnische Frauenmannschaft Fussball

APA-IMAGES/ANP/NETHERLANDS WOMEN V POLAND WOMEN

doublecheck - das Ö1 Medienmagazin

Sport zwischen Quote und Wüste

Die Fußball-WM der Männer läuft in USA, Kanada und Mexiko - und sorgt trotz Zeitverschiebung für Top-Quoten auch zu nachtschlafender Zeit. Aber Spitzenleistungen im Sport sind nicht immer die Garantie für eine angemessene Berichterstattung. Das gilt besonders für Frauen im Sport, deren Sichtbarkeit immer noch sehr zu wünschen übriglässt. #doublecheck spricht mit Expertinnen, Sportlerinnen und Sportjournalistinnen über die Gründe dafür, über ihre eigenen Erfahrungen und über Wege aus dieser Nachrichtenwüste heraus.

Was haben Arda Saatci und Rachel Entrekin gemeinsam? Beide sind Mitte Mai hunderte Meilen durch amerikanische Wüsten gelaufen und haben Spitzenleistungen im Ultra-Sport vollbracht, aber nur die des Mannes - also von Saatci - ist weltweit gewürdigt worden, Entrekin quasi unter "ferner liefen". Es ist ein Sinnbild für die mediale Berichterstattung über Frauen im Sport. Sie liegt immer noch schief, wie eine aktuelle Studie belegt. Es ist eine Frage des Geldes, der Sponsoren, der Aufmerksamkeit - und wie man diese gewinnen kann. Ein schwieriger Kreislauf, allzu oft beißt sich die Katze in den Schwanz. Der Frauenfußball ist eine - auch patriotisch aufgeladene - Ausnahme, die die Regel nur bestätigt.

Kleinreden, sexualisieren, hassen

Anna-Theresa Lallitsch ist Pionierin. 2019 hat sie als erste Frau im österreichischen Fernsehen ein Fußballspiel kommentiert und auch bei der laufenden Fußball-WM ist sie als einzige Frau neben fünf Männern als ORF-Kommentatorin im Einsatz. "Wir sind immer noch weit weg davon, dass es normal ist, als Frau Fußball zu kommentieren", so Lallitsch im #doublecheck-Interview. In solche Männerdomänen einzudringen, stößt oft auf wenig Gegenliebe. Jeder Versprecher, jeder kleine Fehler wird im Netz mit Häme überschüttet, wie auch das Beispiel der ZDF-Sportkommentatorin Claudia Neumann zeigt: Sie ist seit Jahren Ziel misogyner Shitstorms. Der Frauenhass entlädt sich ungebremst über Sportlerinnen. Früher waren es sexistische Schmähbriefe, wie die ehemalige Skirennläuferin Nicola Werdenigg berichtet. Heute gibt es in den Sozialen Netzwerken kein Halten mehr.

Ein Infantino kommt selten allein

doublecheck geht auch der Frage nach, warum die dunkle Seite der laufenden Fußball-WM der Männer medial gern ausgeblendet wird. Schikanen gegen Spieler, Schiedsrichter und Fans bei der Einreise in die USA unter Donald Trump sind Tatsache, aber mit Beginn der Spiele ist die Kritik daran dann rasch abgeflaut. Der umstrittene FIFA-Boss Gianni Infantino wird - Korruptionsaffären, Deals mit Diktatoren und Schiebung bei WM-Vergaben hin oder her - von den Verbänden auf Händen getragen. Fühlen sich Sport-Journalisten und -Journalistinnen zu wenig zuständig? Fehlen die Ressourcen für tiefere Recherchen? Oder haben die meisten vor dem Milliarden-Business Weltfußball kapituliert?

Moderation und Gestaltung: Rosanna Atzara und Stefan Kappacher

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