Apropos Klassik
Wiederentdeckt
Die (fast) verschollenen Kantaten des Johann Ludwig Bach
4. Juli 2026, 15:05
Johanna Soller rückt mit diesem Projekt einen Bach ins Zentrum der Aufmerksamkeit, den die Musikgeschichte beinahe vergessen hätte. Unter den 18 Kantaten, die im Zuge dieser Wiederentdeckung eingespielt wurden, befinden sich zahlreiche Weltersteinspielungen.
Im Jahr 1726 war Johann Sebastian Bach bereits seit drei Jahren Kantor an der Leipziger Thomaskirche, als er im Februar jenes Jahres seine regelmäßige Kantatenproduktion unterbrach. Grund dafür war, dass er in den Hauptkirchen der Stadt 18 Kantaten seines Cousins Johann Ludwig Bach aufführen wollte, der zu dieser Zeit Kapellmeister am Hof in Meiningen war. Diese 18 Werke sind ausschließlich durch die Abschriften überliefert, die Johann Sebastian Bach von ihnen anfertigte. Sie sind somit ein eindrucksvoller Beleg für die hohe Wertschätzung, die er den Kompositionen seines Cousins entgegenbrachte. Die Capella Sollertia legt nun die weltweit erste Einspielung dieser Werke vor.
Entstanden ist das Projekt über mehrere Jahre hinweg, eng verzahnt mit Konzertaufführungen im Rahmen der Reihe "Kantate um 1715" in München. Die Musikerinnen und Musiker des Ensembles ein eingespielter Kreis aus langjährigen Weggefährten konnten so jede Kantate schrittweise erarbeiten, im Konzert erproben und schließlich aufnehmen. Die Musik Johann Ludwig Bachs zeichnet sich durch klare Textausdeutung und eine konzentrierte Dramaturgie aus. Besonders hervor treten die kunstvoll gestalteten Schlusschöre und Choräle, in denen der außergewöhnliche Personalstil Johann Ludwig Bachs erkennbar wird.
Sendereihe
Gestaltung
- Rudolf Aigmüller
