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Geburtstag

Europa weiter denken: Corin Curschellas, Musikerin und Stimme der rätoromanischen Schweiz

Einmal sagte eine Mitmusikerin über Corin Curschellas: "Schon der Name ist Musik." Sie ist die wohl bekannteste Sängerin und Liedermacherin der rätoromanischen Schweiz. Ihr gelingt es, traditionelle Volksmusik aus den Bündner Bergen sprachlich zu bewahren und sie, ohne Folklore zu reproduzieren, musikalisch in die Gegenwart zu holen. Sie bringe es fertig, liest man im Begleittext zum Album "Valdun - Voices of Rumantsch", "die Grenzen einer Kleinsprache aufzusprengen und das Stück Weltzugehörigkeit freizusetzen, das immer vorhanden ist, wo lebendige Menschen fühlen und denken, lieben und leiden."

Corin Curschellas wird 1956 in Chur in eine vielsprachige Familie und in einen vielsprachigen Kanton hineingeboren. Ihre Mutter sprach Schweizerdeutsch, ihr Vater Rätoromanisch, eine der vier offiziellen Landessprachen, die man traditionell im südostschweizerischen Kanton Graubünden spricht. Unterteilt in fünf Idiome, wird Rumantsch heute von einem halben Prozent der Schweizer Bevölkerung verstanden und gesprochen. Für die sprachliche Minderheit gibt es unter anderem eigene Rundfunkprogramme, in ihrem Sprachgebiet sind Zugdurchsagen auf Rätoromanisch zu hören und Ortsnamen, Wegweiser sowie andere Informationen primär rätoromanisch ausgeschildert.

"Ich musste die Heimat aber erst verlassen, um aus meiner Herkunft Neues zu schöpfen", sagt Corin Curschellas über ihren musikalischen Werdegang zwischen Volkslied, Jazz, Chanson und experimenteller Musik. Ausgehend von der Churer Untergrundszene der 1970er-Jahre verließ sie als junge Sängerin die Welt der Kleinsprache. Sie lebte und arbeitete vier Jahrzehnte lang in Zürich, Berlin, Paris, London, Barcelona, New York und Wien. In ihrer Diskografie versammeln sich ungezählte Musikerinnen und Musiker der Schweiz und einer weltweiten Szene.

Zu ihrem 50-jährigen Bühnenjubiläum im Jahr 2023 veröffentlichte Corin Curschellas eine Retrospektive ihres vielfältigen Werks, eine Sammlung mit 60 Stücken, darunter sind unveröffentlichte Soloaufnahmen und Gedichtvertonungen. Ihre "Collecziuns" (Sammlungen) beginnen mit einem Zitat: "Mutter sagte, mein erster Satz als Kind sei gewesen: 'Das isch es.' Der Meinung bin ich bis heute."

Am 2. Juli feierte Corin Curschellas ihren 70. Geburtstag. Aus diesem Anlass und anlässlich des Ö1 Jahresschwerpunkts "Europa weiter denken" besuchen die "Menschenbilder" die Künstlerin in ihrem Wohnort Rueun in Graubünden.

Gestaltung: Lukas Tremetsberger

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  • Lukas Tremetsberger

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