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Punkt eins
Der Kampf gegen die Tigermücken
Moskito-Alarm! Bemerkenswerte Maßnahmen der Stadt Graz gegen invasive Gelsen, live aus einem Garten in Graz. Gast: Erwin Wieser, Gesundheitsamt der Stadt Graz, Referat Strategischer Infektionsschutz, Referatsleiter & Gastgeber: Familie Angelika und Walter Mairhofer aus einem betroffenen Garten in Graz. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
15. Juli 2026, 13:00
Sie sticht tagsüber, fliegt lautlos ohne das typisch lästige Surren, kann über 20 gefährliche Krankheitserreger übertragen und verbreitet sich rasant: die Asiatische Tigermücke. 2012 erstmals in Österreich entdeckt - eingeschleppt - kommen die Tiere seit 2022 im gesamten Bundesgebiet vor und in Wien, Graz und Linz haben sie sich etabliert, d.h. sie überstehen auch den Winter. Während die Hausgelsenbestände in Wien sinken, nimmt die Zahl der Tigermücken zu; in diesen Wochen erreicht sie ihr Sommermaximum. Die invasive Art gilt als künftige Herausforderung für den öffentlichen Gesundheitsschutz.
Die Stadt Graz sticht seit dem ersten Fund der schwarz-weiß gemusterten, kleinen Mücke vor fünf Jahren mit ihren vielfältigen Maßnahmen und bemerkenswerten Pilotprojekten gegen die Tigermücken hervor; aus zahlreichen europäischen Regionen schauen Fachleute neugierig in die steirische Landeshauptstadt. In Graz wurden im vergangenen Jahr erstmals 800.000 sterile Männchen ausgesetzt; heuer wird das Projekt ausgeweitet. In Kooperation mit der Universität Kopenhagen wird eine weitere, neue Methode ausprobiert: Tigermücken brauchen, wie andere Gelsen, Wasser, um sich zu entwickeln. In einem Testgebiet in Graz wurden vor Kurzem Kanalschächte mit Klappen ausgestattet, die die Gullys verschließen und den Gelsen keine Brutstätten mehr bieten.
Essenziell aber ist das Verhalten der Bevölkerung, "der wichtigste Baustein bei der Zurückdrängung der Tigermücke", sagt Erwin Wieser, der Experte für strategischen Infektionsschutz der Stadt Graz. Er ist quer durch Stadt und Land unterwegs, bei Tür-zu-Tür-Schwerpunkten in Gartensiedlungen, bei Infoabenden und Vernetzungstreffen mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern aus zahlreichen Gemeinden, um zu informieren und aufzuklären. Auf diesem Wege hat er Familie Mairhofer kennengelernt, wohnhaft in einem Haus mit Garten in Graz. Bei Angelika und Walter Mairhofer hat Erwin Wieser eine Tigermückenfalle aufgestellt; ein wichtiger Bestandteil der Überwachung und Forschung. Zu einem Lokalaugenschein darf das Team von Punkt eins in dieser Ausgabe bei Familie Mairhofer im Garten Platz nehmen, um mehr über die Möglichkeiten im Kampf gegen die Tigermücke zu erfahren.
Die äußerst stechfreudigen und hartnäckigen Tigermückenweibchen legen die widerstandsfähigen Eier in Kleinstwasserstellen ab: Topfuntersetzer, Gießkannen, Sandspielzeuge, Regentonnen. Der erste und wichtigste Tipp daher: all diese, möglichst auch die kleinsten Wasseransammlungen müssen verhindert werden. Bisher setzen die Städte und Gemeinden in Österreich auf Freiwilligkeit; der Leidensdruck durch die Tigermücke kann beachtlich sein. In manchen Regionen Italiens werden Gartenbesitzer gestraft, wenn sie derartige Präventionsmaßnahmen ignorieren, in anderen Regionen großflächig Insektizide versprüht.
Die Tigermückenbekämpfung ist nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig und immer wieder werden Mücken neu nach Österreich eingeschleppt. Ihre Entwicklung und Verbreitung werden räumlich wie zeitlich mittels Monitoring überwacht. Jede und jeder ist aufgerufen, mitzuhelfen: Mit einem Citizen Science Projekt, der kostenfeien App "Mosquito Alert", kann man Mücken melden; die Daten liefern wertvolle Informationen über das Vorkommen von Tigermücken in Österreich.
Gemeinsam mit Angelika und Walter Mairhofer spricht Erwin Wieser über die Herausforderungen im Kampf gegen die Tigermücke, Brutstätten und Präventionsmaßnahmen und wie immer sind unsere Hörerinnen und Hörer sehr herzlich eingeladen, sich mit eigenen Erfahrungen zu melden und Ihre Fragen zu stellen unter 0800 22 69 79 kostenfrei aus ganz Österreich oder 0043 1 505 22 46 aus dem Ausland, falls Sie uns beispielsweise in Deutschland oder Italien hören und sich telefonisch melden möchten. Schriftlich erreichen Sie uns jederzeit unter punkteins(at)orf.at
Service
Stadt Graz: Tigermücke
Stadt Graz: FAQs: Tigermücke
Maßnahmenplan der Stadt Graz 2026
Tigermücken in Graz
Citizen Science: Mosquito Alert
AGES - Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH:
Infos zu Gelsen-Krankheiten
Mosquito Alert
science.orf.at: Erderwärmung: 70 Prozent weniger Gelsen seit 2020
Sendereihe
Gestaltung
- Barbara Zeithammer
