Radiogeschichten
Um die eigene Achse
"Irrfahrt im Stehen" von László Krasznahorkai. Aus dem Ungarischen von Heike Fleming. Es liest Philipp Hauß.
23. Juli 2026, 11:05
In seinem Erzählband "Die Welt voran" versammelt der ungarische Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai 21 kurze und längere Prosatexte, die die "transzendentale Obdachlosigkeit" des Menschen in den Fokus nehmen, die Zerbrechlichkeit und den Sinn des Daseins in langen, musikalischen Satzkaskaden zu fassen suchen. Der Band ist im Original 2013 erschienen und zeichnet - an Kafka, Beckett aber auch Thomas Bernhards erinnernd - ein düsteres Bild unserer Gegenwart. Mit einer klassischen Handlung dürfen Krasznahorkais Leser und Leserinnen nicht rechnen, dafür mit einer sprachlich fulminanten, fließenden Jonglage des Nichts, das den Menschen umfängt und auf paradoxe Weise jenseits aller Religionen und Ideologien einhaust.
Bekannt wurde der 1953 geborene Schriftsteller László Krasznahorkai mit seinem kafkaesken Roman "Satanstango", verfilmt von Béla Tarr. Auch "Melancholie des Widerstands" erfuhr weltweit großes Echo. Weiters erschienen die Erzählbände "Seiobo auf Erden" (Brücke-Berlin-Preis und Literaturpreis Leuk 2010) sowie "Die Welt voran" (2014). 2015 wurde ihm der Man Booker Prize verliehen, 2019 für seinen Roman "Baron Wenckheims Rückkehr" (2018) der National Book Award for Translated Literature. 2021 erhielt er den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur sowie 2024 den spanischen Literaturpreis Prix Formentor. 2025 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Zuletzt erschienen der Roman "Herscht 07769", der Erzählband "Im Wahn der Anderen" sowie "Zsömle ist weg".
Service
Aus: László Krasznahorkai, "Die Welt voran". Erzählungen. Aus dem Ungarischen von Heike Fleming, S. Fischer Verlag, 2015
