Am Puls - Gesundheit und Medizin
Schweißtreibende Angelegenheiten
Pathologie für die Lebenden ++ Tipps bei Schwielen und Hornhaut ++ Live Am Puls - Sprechstunde: Schwitzen | Zu Gast: Johannes Bisschoff, Dermatologe| Moderation: Robert Czepel | Redaktion: Ronny Tekal | Anrufe 0800 22 69 79 | E-Mail: ampuls@orf.at
30. Juli 2026, 16:05
Schwitzen mit zweifelhaftem Image
Schwitzen ist ein lebenswichtiger physiologischer Prozess: Durch Verdunstung wird Wärme abgeführt und so die Körpertemperatur konstant gehalten - ein wesentlicher Teil der ausgeklügelten Klimaanlage unseres Organismus. Darüber hinaus hat das Schwitzen jedoch auch eine soziokulturelle Bedeutung: Während eine durchgeschwitzte Funktionsbekleidung nach dem Workout durchaus stolz präsentiert wird, versucht man die durch Angstschweiß beim Vorstellungsgespräch hervorgerufenen nassen Stellen unter den Achseln tunlichst zu verbergen. Die Werbung propagiert den trockenen und geruchlosen Körper als erstrebenswerte Norm.
Medizinisch zeigen sich Störungen dieses Systems vor allem als Hyperhidrose, ein krankhaft vermehrtes Schwitzen. Während die primäre Hyperhidrose meist Hände, Füße, Achseln oder Gesicht betrifft, meist genetisch bedingt ist und oft schon im Jugendalter beginnt, kann generell vermehrtes Schwitzen als sekundäres Begleitsymptom von Erkrankungen oder auch bei hormoneller Umstellung, etwa in den Wechseljahren, auftreten. Die Folgen chronischen Schwitzens reichen dabei weit über feuchte Hautstellen hinaus: Durch die ständige Feuchtigkeit entstehen Hautaufweichungen, Pilzinfektionen oder das dyshidrotische Ekzem - juckende, tiefsitzende Bläschen an Händen und Füßen. Durch bakterielle Zersetzung von Schweißbestandteilen entsteht als unangenehm empfundener Körpergeruch (Osmidrose), der durch die Hyperhidrose verstärkt wird. Das therapeutische Spektrum reicht von einfachen Hausmitteln, wie lokalen Bädern mit Salbei- oder Schwarztee, Apfelessig oder Natron, der Verwendung von Antitranspirantien (mit und ohne den in Verruf geratenen Aluminiumsalzen) über eine Elektrotherapie (Iontophorese) oder Botox-Injektionen bis hin zu einer operativen Durchtrennung von Nervensträngen des vegetativen Nervensystems im Brustbereich (Sympathektomie).
Robert Czepel hat sich im Sommer in die kühlen, klimatisierten Räumlichkeiten des Ö1-Studios begeben, um das Phänomen des Schwitzens zu beleuchten.
Zu Gast:
Dr. Johannes Bisschoff, Facharzt für Dermatologie und Allergologie, Medizin am Hauptbahnhof, Wien
Pathologie ohne Tatort
Schrullige Gestalten, die im Sonntagabend-Krimi in verwinkelten Kellern eines Krankenhauses, über tote Körper gebeugt arbeiten: Das Bild der Pathologinnen und Pathologen ist stark von TV-Krimis geprägt, hat jedoch kaum etwas mit der Realität zu tun. Zumal es sich bei den im Fernsehen gezeigten Personen meist um Gerichtsmediziner handelt. Und wenngleich die Obduktion, also das Sezieren Verstorbener zur Feststellung der Todesursache, in Österreich eine lange Tradition hat, die mit der "Zweiten Wiener Medizinischen Schule" im 19. Jahrhundert bis vor wenigen Jahrzehnten systematisch und nahezu lückenlos durchgeführt wurde, ist das Tätigkeitsfeld der Pathologie weitaus größer und dient vor allem den Lebenden. Der Großteil der Arbeit erfolgt im Labor, es werden Gewebeproben analysiert und Diagnosen erstellt. Oft müssen entscheidende Einschätzungen in wenigen Minuten getroffen werden, etwa beim intraoperativen Schnellschnitt, während Patientinnen und Patienten noch am Operationstisch liegen. Neben der Histologie spielt auch die Mikrobiologie eine zentrale Rolle: Antibiogramme helfen, gezielt wirksame Therapien auszuwählen, um gefährliche Keime zu bekämpfen oder den Einsatz von Breitbandantibiotika (und damit die Gefahr von Resistenzbildungen) zu reduzieren. Gemeinsam mit klinischen Teams nehmen sie zudem an Tumorboards teil: Expertenrunden, in denen die bestmögliche Therapie für individuelle Krebspatienten diskutiert wird.
Lukian Guttenbrunner hat sich in den Keller der Klinik Landstraße begeben und für Am Puls von der Leiterin der Pathologie durch die Räumlichkeiten führen lassen. Was er vorgefunden hat: ein hochvernetztes, präzises Fachgebiet als zentraler Baustein moderner Patientenversorgung und weit entfernt vom Krimi-Image.
Interviewpartnerin:
Eva Reiter, Leiterin des Instituts für Pathologie und Mikrobiologie an der Klinik Landstraße, Wien
Rubrik "Eine Frage noch"
Was kann ich gegen Hornhaut und Schwielen tun?
Die erfahrene Podologin Silvia Habacht-Linsberger gibt Antwort.
Norbert Peter hat das Interview geführt.
Service
Eine Frage noch:
Verein für podologische Fußpflege
