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Gedanken für den Tag
Morgen in Mostar
von Ramazan Demir, Imam und Religionspädagoge an der KPH Wien/Krems
30. Juli 2026, 06:57
Mostar ist eine Stadt, die man nicht einfach wieder verlässt. Sie liegt im Süden von Bosnien und Herzegowina, im engen Tal der Neretva. Und schon dieser Fluss prägt alles, das Wasser ist klar, türkis, wunderschön, und teilt die Stadt in zwei Seiten.
Wenn man dort entlanggeht, merkt man schnell: Die Stadt ist eng gebaut, steinig, fast gedrängt zwischen Fluss und Bergen. Und gleichzeitig ist da etwas Offenes. Die Altstadt zeigt noch stark den osmanischen Einfluss. Enge Gassen, kleine Innenhöfe, Werkstätten, in denen noch gearbeitet wird, nicht nur verkauft. Man sieht Handwerk, das nicht für Besucher gemacht ist, sondern einfach weitergeführt wird.
Am frühen Morgen ist Mostar besonders ruhig. Dann sind die Straßen fast leer, und das Licht fällt langsam über die alten Steine. Man hört Schritte, vielleicht Wasser, sonst wenig. Die berühmte Brücke kennt man natürlich. Aber wenn man davorsteht oder sie überquert, merkt man, dass es nicht nur ein Bauwerk ist. Es ist ein Ort, der verbindet und gleichzeitig etwas trennt. Geschichte ist hier nicht Vergangenheit, sie ist sichtbar im Jetzt. Und die Altstadt selbst wirkt zuerst fast schön im klassischen Sinn. Aber wenn man länger bleibt, merkt man wirklich, dass darunter viele Geschichten liegen. Gespräche, Erinnerungen, auch Brüche.
Gleichzeitig ist Mostar ein Ort, an dem man schnell mit Menschen ins Gespräch kommt. Es gibt eine große Offenheit, und die Küche spielt dabei eine Rolle. Einfache Gerichte, viel Geschmack, viel Tradition. Und wer eine Begova-Suppe isst, versteht vielleicht ein bisschen, was damit gemeint ist: Dass hier vieles nicht erklärt wird, sondern erlebt wird. Vielleicht ist Mostar genau das: kein leichter Ort, aber ein ehrlicher. Einer, der bleibt, auch wenn man selbst schon wieder gegangen ist.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Goran Bregovic
Album: EAST MEETS EAST / NIGEL KENNEDY UND KROKE
Titel: Ederlezi/instr.
Solist/Solistin: Nigel Kennedy
Ausführende: Kroke
Ausführender/Ausführende: Jerzy Bawol
Ausführender/Ausführende: Thomas Kukurba
Ausführender/Ausführende: Tomasz Lato
Länge: 05:47 min
Label: EMI 5575112
