Vorgestellt

Die letzte Komponistin des Zarenreichs

Leokadiya Kaschperovas Klavierkonzert mit dem Pianisten Oliver Triendl sowie ihre Symphonie mit dem RSO Berlin unter Anna Skryleva

"Ihre Begabung als Komponistin bedeutet für das St. Petersburger Musikleben ein höchst willkommenes Phänomen", hieß es 1912 in einer Kritik. Und schon 1907 hatte sie sogar in Berlin mit ihrem Klavierkonzert und ihren Symphonien erhebliches Aufsehen erregt.

Die Rede ist von Leokadiya Kaschperova. Nie gehört? Macht nichts, das kann sich ja nun ändern. 1872 in der Nähe der Stadt Jaroslawl geboren, die etwa 250 Kilometer nordöstlich von Moskau liegt, studierte Leokadiya Kaschperova am St. Petersburger Konservatorium Klavier bei Anton Rubinstein und Komposition bei Nikolai Solowjow.
Sowohl als Komponistin im spätromantischen, nationalrussisch angehauchten Stil wie auch als brillante Pianistin konnte sie sich in der Folge einen Namen machen. Nicht zuletzt mit den beiden bereits genannten Werken, dem Klavierkonzert a-Moll op. 2, dessen virtuosen Solopart sie auf ihre eigenen stupenden Fähigkeiten zugeschnitten hat, sowie mit der großen Symphonie h-Moll op. 4.

Doch ausgerechnet die Russische Revolution und ihre Ehe mit einem ihrer Klavierschüler, dem Bolschewiken Sergej Andropow, führten dazu, dass sie verschwand - zuerst aus dem Rampenlicht, dann aus dem Gedächtnis der musikalischen Öffentlichkeit. Bei ihrem Tod 1940 war sie auch in ihrer Heimat schon so gut wie vergessen.

Doch in den letzten rund 25 Jahren werden Leben und Schaffen der Leokadiya Kaschperowa erforscht. Eine der Früchte dieser Arbeit ist diese CD, eingespielt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung der russischstämmigen deutschen Dirigentin Anna Skryleva. Oliver Triendl setzt sich dabei als Solist für das Klavierkonzert mit ein.

Service

Aktuelle Aufnahme:

Leokadiya Kaschperowa: Klavierkonzert op. 2, Symphonie op. 4
Ausführende: Oliver Triendl (Klavier), Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Anna Skryleva (Leitung)
Label: Capriccio

Sendereihe

Gestaltung

  • Walter Weidringer