Radiokolleg
Alpine Interventionen (3)
Richtungsweisende Architektur
5. August 2026, 09:05
Die alpine Gegenwartsarchitektur erlebt derzeit eine bemerkenswerte Transformation: Weg vom folkloristischen Chalet-Klischee, hin zu einer präzisen, materialbewussten und landschaftssensiblen Baukultur. In Regionen wie Vorarlberg, Südtirol und Graubünden hat sich eine Architektursprache etabliert, die Tradition nicht kopiert, sondern weiterdenkt.
Architektinnen und Architekten wie Hermann Kaufmann oder Gion A. Caminada setzen auf Reduktion, klare Volumen und eine konsequente Verwendung regionaler Materialien wie Holz, Stein und Sichtbeton. Gebäude entstehen dabei nicht als autonome Objekte, sondern als präzise gesetzte Eingriffe in die Topografie - oft so, als wären sie schon immer Teil der Landschaft gewesen.
Im Zentrum steht dabei weniger die äußere Form als vielmehr die Atmosphäre: Lichtführung, Proportion und Materialität bestimmen das Raumerlebnis. Gleichzeitig werden traditionelle Bautypen wie Stadel, Hof oder Scheune neu interpretiert und in zeitgemäße Nutzungen überführt - vom Wohnhaus bis zum Hotelbau.
Besonders in Südtirol zeigt sich zudem an die lokalen Gegebenheiten angepasste und dennoch experimentierfreudigere Haltung, etwa bei Büros wie Pedevilla architects aus Bruneck.
