Singender Theo Adam

AP/FRANKE

Stimmen hören

Saft und Kraft im Bassbaritonfach

Theo Adam zur 100. Wiederkehr des Geburtstags

Zu "Anneliese Rothenberger gibt sich die Ehre" in der BRD fand sich im DDR-Fernsehen der 1970er Jahre ein Gegenstück: "Theo Adam lädt ein". Der 1926 geborene Bassbariton aus Dresden war, rückblickend gesehen, an einigen Schnittpunkten der Aufführungsgeschichte mit Selbstbewusstsein und Energie bereitgestanden, zu "übernehmen": den Wotan von Hans Hotter, den Holländer von Hermann Uhde, den Hans Sachs von Otto Edelmann. Richard Wagner war also dominant im Kalender des im ostdeutschen Kulturleben streng verankerten, zugleich den West-"Reisekader" der DDR prominent anführenden Sängers. Aber Theo Adam, ein Mann von Stimmpotenz und zugleich unerschütterlicher Musikalität, hatte ein viel breiteres Spektrum anzubieten: Er war als Don Giovanni, als Scarpia, als Ochs auf Lerchenau präsentabel, gab den Mendelssohn'schen Oratorienhelden Profil, war (als Ex-Mitglied des Dresdner Kreuzchors) bei Bach sattelfest.

Besonders imposant Adams Bilanz als Interpret zeitgenössischer Opern: von Wozzeck bis Danton, von Friedrich Cerhas "Baal" bis Paul Dessaus "Einstein". Dass Adam, mit der seinen Stimmbändern eingeschriebenen bedrohlichen "Schwärze", für den menschenverachtenden Pizarro in "Fidelio", für den mit dem Teufel im Bunde stehenden Kaspar im "Freischütz" erste Wahl war, versteht sich. Eine Fülle von die Zeiten überdauernden Tonaufnahmen dokumentiert den bis in die 2000er Jahre aktiven, 2019 verstorbenen Künstler. Es sind Werke darunter, in denen Theo Adams Leistung bis heute ohne Nachfolge geblieben ist, wie "Die schweigsame Frau" von Richard Strauss, mit Adam als im Stimmcharakter ideal "seebärigem", dabei zungenfertigem Sir Morosus, zugleich die den Autoren etwas papierern geratene Figur mit Theaterleben erfüllend.

Sendereihe

Gestaltung

  • Chris Tina Tengel